Stille Geburt - gute Begleitung in schwerer Zeit

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Hypnose für eine stille Geburt

Vor einigen Woche rief mich eine langjährige Freundin weinend an. Erst konnte ich sie erst kaum verstehen: Ihre Tochter Lisa wird eine stille Geburt haben. Sie war mit dem ersten Kind schwanger und hatte keine Kindsbewegungen mehr gespürt, also war sie ins Krankenhaus gegangen. Das Herz des Babys hatte aufgehört zu schlagen. Wie gruselig, grauenvoll, eine Erfahrung, die ich keiner Frau wünsche. Zum Glück gab es keinen Grund, die Totgeburt sofort einzuleiten. Die Klink hatte der Tochter die Wahl gelassen, ob sie sich gleich aufnehmen lässt oder erst nach ein paar Tagen zur Einleitung kommt.

Das Baby war in der 28. SSW gestorben. Viele Frauen möchten so schnell wie möglich die Schwangerschaft zu Ende bringen. Manchmal gibt es auch medizinische Gründe wie Infektionen, die schnelles Eingreifen erforderlich machen. In den meisten Fällen ist es aber möglich, abzuwarten und den Abschied vorzubereiten. Für die Verarbeitung und den Trauerprozess ist es oft hilfreich, nicht sofort die stille Geburt einzuleiten. Über Wochen und Monate hat die schwangere Frau eine Beziehung zu ihrem Kind aufgebaut, dann ist es gut, ein paar Tage Zeit zu haben. Sich mit Angehörigen zu besprechen, mit dem Partner zu überlegen: möchten wir eine Obduktion, wie möchten wir von unserem toten Kind Abschied nehmen, was kann uns bei der stillen Geburt helfen? (Unter diesem Artikel ist eine Liste mit Links)

Ein Segen, dass Lisa einen tollen Mann an ihrer Seite hatte, der selber todtraurig, ihr gut zu Seite stand. Und fast sofort in Aktion ging, recherchiert hat, wie ein guter Abschied für sie gemeinsam möglich ist. Eine Familie, die Hilfe zusammengetrommelt hat. Die aber auch immer nachgefragt hat: "Wieviel ist gut für Dich, was kannst Du gerade brauchen?"

 

Die Kraft der Suggestionen nutzen - auch für eine stille Geburt

Zur Familie gehörte auch die sehr praktisch denkende Oma, meine Freundin, die mich gleich einspannte. Lisa hatte sich eine möglichst natürliche Geburt gewünscht. Sie hatte auch einen Kurs für autogene Geburt bei einer Hebamme gebucht. Jetzt saß sie zutiefst unglücklich vor einem Haufen Büchern über HypnoBirthing, in denen nur lebende Kinder und glückliche Geburten beschrieben waren. Sie fand keinen Hinweis darauf, wie frau es schaffen kann, ein totes Baby zur Welt zu bringen. "Du hast doch Hypnose gelernt, kannst Du bitte helfen... !" Ich habe dann einen ganzen langen Nachmittag bis tief in den Abend hinein recherchiert, in den Datensammlungen zweier internationaler Hypnosegesellschaften gewühlt. Viele, viele Skripte und Vorlagen zur Hypnose-Geburtsvorbereitung für eine normale Geburt, Vorschläge für HypnoBirthing, gab es zu finden, nur für den absoluten Ausnahmezustand einer stillen Geburt: Nichts! Wirklich gar nichts!

Gerade unter dieses schweren Bedingungen ist es doch so wichtig, in Entspannung gehen zu können, den Körper arbeiten lassen zu können. Daher habe ich eine Hypnose zur Geburtserleichterung geschrieben und eingesprochen. Eine Hypnose-Geburtsvorbereitung, die Lisa Vertrauen in ihren Körper vermittelt, die Geburt leisten zu können. Sie mit den Fähigkeiten unseres Frauenkörpers verbindet, zu gebären, mit den Wehen zu gehen und den Muttermund zu öffnen, wenn es Zeit ist, dieses Kind loszulassen. Wichtig war mir auch, ihr durch Suggestionen mitzugeben, dass Sie gut und schnell auf die Medikamente reagiert, die zur Einleitung verabreicht werden.

Die Effekte von Placebo und Nocebo sind in der Medizin seit längerem bekannt. Habe ich starke Angst, dass Medikamente Nebenwirkungen hervorrufen oder die Wirkung nur sehr langsam eintritt, kommt es oft zu einer selbst-erfüllenden Prophezeiung. Und gerade das wollte ich unter den ohnehin schon harten Bedingungen einer Totgeburt vermeiden.

 

Angeleitete Hypnose ist einfach für die Frau

Eine Hypnose erfordert keine "Eigenarbeit": Hinsetzen oder Hinlegen, Kopfhörer aufsetzen, zuhören und so gut es geht entspannen. Dagegen soll bei der Autogenen Geburt oder einem Kurs in HypnoBirthing die Frau selber lernen, sich selber in einen Entspannungszustand zu versetzen. Dabei erzeugt sie eine leichte Trance (Selbsthypnose). Das kann super hilfreich sein, erfordert aber zum einen regelmäßiges Üben und Zeit... und Konzentration. Eine neue Fähigkeit zu lernen, ist mit dem Wissen, das das verstobene Baby bald geboren werden soll, eine echte Zumutung in meinen Augen. Da ist es doch einfacher, eine kurze Anleitung zu bekommen, einen Audio-Download aufs Handy zu spielen und sich in einen bequemen Sessel zu verkrümeln.

Die erste Rückmeldung kam am nächsten Morgen: "Ist es schlimm, dass Lisa während der Hypnose eingeschlafen ist? Sie hat sich total entspannt, das erste Mal, seit der Diagnose." Nein, das Unterbewusstsein hört mit, kein Problem. Es ist doch schön, dass Lisa sich entspannt hat und in der folgenden Nacht auch besser geschlafen hat.

Die Geburt einige Tage später ging schnell, die Reaktion auf die Prostaglandine zügig und unkompliziert. Luis wurde rasch geboren, obwohl er das erste Kind war und der Muttermund bei der Geburtseinleitung sehr "unreif" = nicht geburtsfreudig war. Lag es nur an der Hypnose? Sicher nicht, es kommen viele Faktoren zusammen. Aber Lisa und ihre Familie haben es als eine sehr hilfreiche Unterstützung angesehen. So wichtig, dass ich ihr und ihrer Mutter versprechen musste, diese Hypnose zur Geburtsvorbereitung auf eine stille Geburt umzuschreiben. Und dann für alle Frauen in dieser traurigen Situation zur Verfügung zu stellen.

Was hilft noch, neben einer Geburtsvorbereitung mit Hypnose?

 

Sich Raum geben für Trauer und wählen, wer gut tut

Bei Lisa und ihrer wunderbaren Familie, die durch die stille Geburt ihres Sohnes Luis noch enger zusammengewachsen ist, musste ich mir wenig Sorgen machen. Ich begleite seit Jahren viele Frauen mit ihrem Kinderwunsch und sehe viele, viele Schwangere in der Praxis. Daher habe ich auch viel Erfahrung mit Fehlgeburten, Totgeburten und auch der einen oder anderen schweren Entscheidung zu einem Schwangerschaftsabbruch bei ernsten Diagnosen beim Kind. Nicht alle Frauen haben gute Begleitung an ihrer Seite. Manchmal muss ich Frauen auf die Sprünge helfen, wo sie mit ihrer Trauer Raum finden.

Ich zitiere gerne den großartigen Psychiater Dr. Ned Hallowell. Der sagt:

"die erste Regel der Psycho-Hygiene lautet: niemals den Kummer alleine in sich reinfressen. Sprechen! Aber nur mit Menschen, die wie eine Lilie sind: wohltuend duften (im übertragenen Sinne) freundlich anzusehen... und die Menschen meiden, die wie ein Egel sind und Energie abziehen."

In diesem Falle: Drama ins Haus bringen und nicht offen sind für die Bedürfnisse der Frau, des Mannes, des Paares, dass das tote Kind zu betrauern hat. Das Schöne an Ned Hallowells Worten ist, er sagt auch: "einen Egel abzulehnen, ist dem Egel gegenüber nicht böse. Vielleicht kann dieser Mensch für einen anderen gerade eine Lilie sein. Wenn ich ihm erlaube, bei mir Egel zu sein, hindert er mich in meinem Prozess. Ich nehme ihm aber auch die Chance, zur gleichen Zeit bei jemandem anders hochwillkommen zu sein und das Gefühl zu erleben, blühen zu dürfen."

Wenn also die Party-Prinzessin aus dem Freundeskreis gerade unsensibel wie ein Elefant im Porzellanladen herumtrapst, kann es sehr weise sein, um Abstand zu bitten. Sagen Sie: "Ich melde mich später, wenn ich meine stille Geburt etwas überwunden habe." Oder Mann, Mutter, beste Freundin zu bitten, andere auf Abstand zu halten, wenn sie gerade egelig sind. Holen Sie sich Unterstützung, und zwar genau die, die Sie brauchen. Private und professionelle Hilfe können wichtig sein. Die sie alle brauchen, dass kann auch die Trauerbegleitung für die verwaisten Großeltern sein. (Linkliste unter dem Artikel)

 

Wenn aus tiefer Trauer Gutes erwächst

Die Begegnung mit dem Tod ist nicht einfach. Schon gar nicht, wenn er so unerwartet und viel zu früh ins Leben tritt. Wenn ein Kind nur im Herzen getragen werden darf und nicht auf dem Arm. Ich bin so froh, dass heute stille Geburten nicht mehr totgeschwiegen werden. In vielen Kliniken wird ermöglicht, gut Abschied vom Baby zu nehmen. Es gibt heute deutlich mehr Hilfsangebote, als noch vor knapp 30 Jahren, als ich meinen Weg in der Geburtshilfe begann.

Nein, ideal ist es immer noch nicht überall und wir kommen als Menschen mit diesen Erfahrungen an unsere Grenzen, gerade, wenn die Ambulanz, der Kreißsaal oder das Wartezimmer übervoll sind. Wenn es gut läuft, wachsen wir alle daran, haben tiefe Begegnungen. Auch wenn es nicht leicht zu begreifen ist, dass dieses Kind als stille Geburt nicht wirklich im Leben ankommt. Es ist ein Teil der Familie und doch nicht sichtbar. Aber auch draus kann daraus ein Segen entstehen, der anderen Menschen nützt. So wie Lisa und ihre Mutter, die mich etwas an die Grenzen gebracht haben, mit der Frage nach einer Hypnose-Geburtsvorbereitung für die es während meiner Ausbildung und danach keine Anleitung gab. Nun habe ich die Hypnose umgeschrieben ohne die persönlichen Elemente. Ich stelle sie allen Frauen zur Verfügung in Erinnerung an Luis. Hier ist der Link:

Hypnose-Gebursvorbereitung für eine stille Geburt

 

Ich wünsche, dass so wenig wie möglich Frauen diese Hypnose brauchen... aber die, die sie benötigen, gute Hilfe dadurch erfahren

Ihre

Dr. Dorothee Struck

 

 

PS: Für Kolleginnen und Hebammen biete ich einen Fachkurs zur Begleitung von stillen Geburten an.

 

 

Linkliste: Informationen zu Obduktion, Abschiedsritualen, rechtlichen Rahmenbedingungen für Beerdigung und mehr rund um eine stille Geburt

 

 

 

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Disclaimer:

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Bildnachweis /Fotos: Dr. Dorothee Struck, Joachim Struck, Creative Commons oder gekauft bei Depositphotos/Jumpstory

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