Viel Zeit für Kinderwunsch – in Italien

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Toskana 2017 Foto: Dorothee Struck

Das erste Mal, das ich zuerst viel Zeit mit einer Frau und ihrem Kinderwunsch verbrachte, ein 2 Stunden-Gespräch über Ernährung, Heilpflanzen-Anamnese und Erklärungen, wie der weibliche Körper funktioniert, passierte von meiner Seite aus völlig ungeplant. Jemand anders hatte geplant. Aber von Anfang an: im Herbst 2017 hatte mein Bruder einen 3-monatigen Lehrauftrag an der Universität in Florenz und ich habe mir natürlich nicht nehmen lassen, ihn zu besuchen. Anfang November, in Kiel graues kaltes Nieselwetter, in der Toskana Sonne und noch recht warm… Wir verbrachten ein langes Wochenende oberhalb von Florenz bei einer alten Bekannten von ihm: Gabriela, für mich der Prototyp einer italienischen Mama, die uns 3 Tage hinreißend bekochte. Untergebracht war ich im Zimmer des jüngsten Sohnes, der erst vor kurzem ausgezogen war; schlief unter Postern von Judas Priest und Slipknot.

 

Omakuchen und Enkelwunsch

Nach dem dritten Abendessen gab es Torta della Nonna, den Omakuchen. Sehr lecker! Sehr lobenswert, nur das Lob startete für mich unerwartet eine Litanei, dass das mit der Oma wohl nichts wird… der dritte Sohn, gerade erst studierend, bene. Der Mittlere noch nicht lange fest verbandelt, ja, gut. Aber der Älteste: tiefe Seufzer! Mein Bruder hatte offensichtlich im Vorfeld erzählt, was ich beruflich mache. Gut gefüttert und bestens gelaunt, sagte ich, da wir bis zum nächsten Tag dort wären, ich könnte ja vielleicht mal morgen Nachmittag kurz mit der Schwiegertochter sprechen. Fehlanzeige: keine fünf Minuten später saß ich auf der Terrasse, einen dicken Stapel Unterlagen einer Mailänder Kinderwunschklinik auf den Knien und einen doppelten Espresso vor mir. Sohn und Schwiegertochter waren bei einer Freundin im Nachbarort geparkt, würden in ca. 20 Minuten dazukommen. Mir wurde sehr resolut klargemacht, dass ich was gegen unerfüllten Enkelwunsch machen sollte. Zum Glück ist deutsches Medizinier-Latein nicht weit weg vom Italienischen; ich wühlte mich durch Blutwerte und andere Befunde. Diagnose: Keine Eisprünge, hormonelle Störung unklaren Ursprungs – Empfehlung: Stimulation und dann IVF, keine Alternative. Oder doch?

 

Ursachenforschung: Problem-Verhütung

Anamnese heißt für mich immer, die ganze Geschichte hören: Was war davor, wie hat das angefangen. Es kristallisierte sich heraus, dass viel Ärger mit einer Hormonspirale vor einigen Jahren begonnen hatte. Viele Frauen vertragen sie gut, einige so gar nicht. Manche reagieren über die Psyche mit Depressionen und Panik-Attacken und gelegentlich gibt es Frauen, die massiv Gewicht zulegen, so 10 bis 15 Kilo. Im statistischen Mittel nehmen Frauen mit Hormonspirale nicht zu, nur mit 3-Monatsspritze. Das liegt daran, dass die Einzelfälle, die durchaus bekannt sind, so wenige sind, dass das Kollektiv gewichtsmäßig nicht nach oben rückt. Aber diese Frauen gibt es und sie haben häufig eine Insulinresistenz die wiederum Eisprünge stören kann; auf dieses Problem war nicht getestet worden, sonst auf alles und zwar gründlich. Meine Praxis und Labor nicht greifbar aber vermutlich eine Ursache gefunden, das Paar, das absolut nicht den Weg der künstlichen Befruchtung gehen wollte, über den Verdacht informiert. Alternativer Plan: 4 Monate strikte Ernährungsumstellung, eine Heilpflanzen-Kur plus ein Homöopathisches Mittel, wenn nach 6 Monaten nicht schwanger, dann wäre die IVF-Klinik in Mailand ja immer noch da.

 

Mama Mia, keine Pasta!

Oh, überzeugen Sie mal eine waschechte Italienerin einige Monate auf Kohlenhydrate zu verzichten: 3 Monate keine Pizza, keine Pasta, keine Torta della Nonna, wenn bei Schwiegermutter zu Besuch. Oh, Mamma, nein, auch nicht ein kleines Stück Kuchen! Gar keine Dolci, keine Cantuccini und auch der Vin Santo wird gestrichen; trockener Rotwein weiterhin gestattet, Espresso auch, na immerhin was.

Aber mich in der Praxis in Kiel zu besuchen und zu testen um zu wissen, ob das wirklich nottut war dann auch zu aufwendig… Der Ehemann recherchierte noch am gleichen Abend mit dem Laptop, die von mir empfohlenen Phytotherapeutika konnten via Internet bestellt werden. Therapieplan schreiben am Küchentisch, Oma in spe linst immer mal aus dem Wohnzimmer hinein.

 

Nach 4 Wochen und 4 Monaten

Nach knapp 4 Wochen eine Mail: „ich fühle mich so fit, wie lange nicht, habe 2,5 Kilo abgenommen trotz reichlich essen, die Medikamente bekommen mir gut“, fein! Nach 4 Monaten die Meldung: schwanger, ohne Hormone, ohne IFV. Jetzt wieder Pasta gestattet, bitte auf Schwangerschaftsdiabetes testen lassen, das Risiko ist bei diesen Frauen erhöht. Weitere 9 Monate später: Mission Enkelwunsch erfüllt in 13 Monden. Mein Bruder meint, sollte ich je wieder in die Nähe von Greve in Chianti kommen, ich würde bekocht und befüttert, bis ich den Berg herunterrolle und die Nachbarinnen würden mit Töchtern und Schwiegertöchtern Schlange stehen.

 

Herbst 2020: nicht in Italien

Im letzten Herbst saß ich in eine dicke Decke gewickelt auf Balkonien, das Reisen gerade eingeschränkt und träumte von der Wärme des Mittelmeeres. „Pling!“ meldete mein Handy eine Nachricht von meinem Bruder: Weitergeleitetes Bild der stolzen Oma, die jetzt zweijährige Enkelin auf dem Schoß beim Familienessen nach der Olivenernte. Zeit für einen Rückblick. Ein Jahr nun, das ich alle 2 Monate ein Paar für eine sehr lange Kindewunschanamnese und gründliche Untersuchung in der Praxis hatte. Einige Kinder schon geboren, einige Frauen schwanger, andere nicht. Zaubern kann ich auch nicht, aber gründlich nach verborgenen Ursachen suchen. Es macht mir viel Freude so intensiv zu arbeiten, auch ohne „Omakuchen“. Der Entschluss reifte meine Praxis Anfang 2021 so umzustellen, dass für mehr Intensivtermine Zeit ist. Der Name Precious PregnanciesTM“ ergab sich aus meinen Reisen nach Indien. Reisen bildet, gibt Impulse und manchmal verursacht es unerwartete Schwangerschaften.

 

 

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Blick aus dem Fenster der Villa Salviati, Institut für Geschichte & Zivilisation, Universität Florenz, November 2017 - Bild: Dorothee Struck

Garten der Universität Florenz

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