HypnoBirthing

von Claudia Jessen (Kommentare: 0)

3Keys HypnoBirthing

Juhu, Hypnose!

Ich blicke zurück auf meine ersten beiden 3Keys® HypnoBirthing-Kurse, die ich im April und Juli in der Praxis gegeben habe. Als ich die vorletzte Hypnose ankündigte, bekam ich den Satz „und jetzt programmieren wir das Unterbewusstsein darauf, wenn jemand in die Klinik kommt und Blutdruck misst oder Sie untersucht, dass dies tiefer und tiefer in die Entspannung führt…“ gar nicht zu Ende, da es vom Wartezimmer-Sofa schallte „Juhu, Hypnose!“ Eine Riesen-Freude, sich gleich wieder mit dem ursprünglichen „Geburts-Körper“ der uns innewohnenden Fähigkeit, Babys auf die Welt zu bringen, zu verknüpfen.

 

Vom Teufelskreis zum Engelskreis mit 3Keys® HypnoBirthing

Vor den einzelnen Hypnosen hatten wir ausführliche Gespräche über Ängste, die Geburt selber, das Wochenbett und auch die Situation in den Krankenhäusern heute. Personalknappheit, die kleinen, familiären Geburtshilfe-Kliniken wie Eckernförde werden geschlossen. Die Angst, in einer großen Klinik ins Getriebe zu kommen, aber auch die Angst, überfordert zu sein, wenn sich die Bedingungen ändern, wenn ein Kaiserschnitt notwendig wird. Der Teufelskreis aus Angst, Anspannung und Schmerzen in einen „Engelskreis“ aus Vertrauen, Wissen und Gelassenheit zu verwandeln. Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, den eigenen Körper und auch ins Baby, das genau weiß, wie und wann es geboren werden will.

 

Positive Geburtserfahrungen, auch wenn es nicht perfekt läuft

Einige der Teilnehmerinnen habe ich seitdem wiedergesehen in der Mutterschaftsvorsorge, deutlich entspannter, gelassener in sich ruhend voller Vertrauen, dass sie mit allem umgehen können, was Ihnen unter der Geburt begegnen kann. Die, die schon geboren hatten, haben alle von einem sehr positiven Geburtserlebnis berichtet, auch nach einem Kaiserschnitt oder einer Saugglocken-Geburt. „Ich habe gespürt, dass meine Lütte, na eher, meine Wuchtbrumme, denn sie wog über 4200g, schwer für das erste Kind, ganz am Schluss absolut nicht um die Kurve kam. Als dann die Hebamme sagte, ich hole den Arzt, wir brauchen wohl Hilfe, war das für mich schon klar. Ja, ich habe bekommen, was ich nicht wirklich wollte, einen Dammschnitt und eine Saugglockengeburt. Aber es war dennoch eine tolle Geburt, das Positive überwiegt ganz klar und ich wusste, das schaffen wir beide nicht alleine.

 

3Keys® HypnoBirthing: Das Vertrauen in den eigenen Körper stärken

Genau darum geht es in einem hypnosebasierten Kurs, die eigene Intuition zu stärken, wann brauche ich Hilfe und was kann ich alleine. Es geht darum, die Fähigkeit zu schulen, auf diese Intuition zu hören und mir und dem Universum zu vertrauen. Wir haben alles, was wir brauchen in uns, auch die Fähigkeit, loszulassen und uns der Hilfe der Menschen anzuvertrauen, die manchmal eingreifen müssen und gelernt haben, was sie tun, gute Gründe haben, aber nicht immer die Zeit, diese Gründe mit uns auszudiskutieren und in allen Einzelheiten zu erklären. Mutter Natur ist kraftvoll, aber gelegentlich auch hart. Das habe ich sehr wohl verstanden, als ich 1991 in Indien eine Famulatur (Praktikum) in einem Krankenhaus an der Grenze zu Bangladesch machte. Und eine der Grundregeln der Arbeit mit dem Unterbewusstsein lautet abgekürzt:

„Dagegen ist nicht!“

Es hat nichts, aber auch gar nichts mit Hypnose zu tun, wenn ich Listen schreibe, was ich alles NICHT WILL, wenn ich bestimmte Worte NICHT hören will wie „Wehe“ oder „Schmerz“, oder „NICHT“ angefasst werden will. Denn unser Unterbewusstsein versteht keine Verneinung. Die Regeln des Geistes (The Rules of the Mind) war mit das erste, was ich in meiner Ausbildung zur Hypnosetherapeutin bei Marisa Peer[i] gelernt habe, und eine, die ganz oben steht lautet „Dagegen ist nicht!“

Wenn ich mir immer wieder sage, „ich will keinen Kaiserschnitt, keinen Kaiserschnitt, keinen Kaiserschnitt, keine medizinischen Interventionen“, dann hört das Unterbewusste nur „Kaiserschnitt, Kaiserschnitt, Kaiserschnitt, Intervention“ und das blöde, noch so eine Regel des Geistes:

„Worauf wir unsere Aufmerksamkeit setzen, davon bekommen wir mehr.“

„Kaiserschnitt, Kaiserschnitt, Kaiserschnitt, Intervention“ Upps!

Wenn ich alles medizinische Personal im Krankenhaus von vornherein als potentielle Feinde ansehe, dann glaubt unser Unterbewusstsein, wir sind von Bedrohung umgeben, stellt die Alarmsignale auf sensibel und dann sind wir genau da, wo wir eigentlich durch einen guten Geburtsvorbereitungskurs nicht sein wollen, in einem Teufelskreis aus Anspannung, unterschwelliger Angst und nicht tiefenentspannt, egal was kommt. Die Haltung, „ihr wollt mir doch alle was BÖSES, mir meine ideale Traumgeburtserfahrung nehmen“, überträgt sich häufig unterschwellig auf die Menschen, denen wir begegnen, wenn wir in der Klinik ankommen. Wer hat schon Lust, sich intensiv und super liebevoll, zugewandt und jederzeit empathisch mit einer Patientin zu beschäftigen, die mir schon nach dem ersten „Moin!“ gleich klar macht, dass Ärzte einfach nur doof sind? Und: im Kopf habe ich mir vielleicht ein festes Bild gemacht, was meine „Traumgeburt“ ist, aber ist das auch das, was meinem Körper und dem Körper meines Babys entspricht?

 

HypnoBirthing hat bei einigen Kolleginnen einen grottenschlechten Ruf

„Oh, produzierst Du jetzt auch Listenfrauen!“ war der erste Kommentar eines geburtshilflichen Kollegen, als ich den 3Keys® HypnoBirthing-Kurs erstmalig angeboten habe. Nö, ich gebe Hypnose, keine allgemeine Entspannung, habe ich schließlich von der Pike auf gelernt, so wie damals Medizin und Geburtshilfe. Das ist ein Riesen-Problem, mit HypnoBirthing, FlowBirthing, autogener Geburt, etc. unter all diesen Namen kann sich tolle Arbeit verbergen. Es kann aber auch eine echte Mogelpackung sein, die mit Hypnose so gar nichts zu tun hat. Denn der Begriff HypnoBirthing als solcher ist in Deutschland nicht geschützt, Hypnose[ii] übrigens auch nicht. Das bedeutet, jeder und jede, kann dort irgendwas machen, anbieten, verkaufen. Als ich vor einigen Wochen zum Thema HypnoBirthing in Deutschland recherchiert habe, war ich entsetzt. Es gibt tatsächlich Ausbildungsinstitute, die keinerlei geburtshilfliches Grundwissen verlangen oder Quereinsteigerinnen diese bieten und bei denen die Hälfte der Kursstunden auf so unglaublich wichtige Dinge entfallen wie „Marketing über Instagram und andere Soziale Medien“ und „wie generiere ich meine Traumkunden und manifestiere ein gutes Einkommen“. Ohne Worte!

 

Wie findet frau jetzt einen guten HypnoBirthing Kurs?

  1. Schauen Sie nach Qualifikationen: hat die Kursleiterin eine Ausbildung in Hypnose? Ist sie in einem Hypnoseverband Mitfrau? Dann weiß sie höchstwahrscheinlich sehr gut um die Regeln des Geistes und hat auch, wie es in anerkannten Hypnoseverbänden weltweit selbstverständlich ist, unterschrieben, sich an die ethischen Grundlagen für Hypnose zu halten.
  2. Wie ist der medizinische Background der HypnoBirthing Kursleiterin? Wie ist ihr Wissen um praktische Geburtshilfe? Ist sie Hebamme, Ärztin, Physiotherapeutin für Geburtsvorbereitung? Oder gehört sie einer Laienbewegung an und sagt ganz klar, dies ist eine Ergänzung zu einem klassischen Geburtsvorbereitungskurs, ich biete nur Hypnose an. Hilfe von Frau zu Frau kann sehr sinnvoll sein, hat aber auch Grenzen. Wenn wir alle Hand in Hand zusammenarbeiten, geht es am besten! Wenn jemand gleich zu Anfang sagt: „Krankenhaus ist doof, Ärzte nehmen grundsätzlich die Selbstbestimmung einer Frau nicht ernst[iii], erinnern Sie sich bitte „Dagegen ist nicht!
  3. Bekommen Sie echte Hypnosen? Oder bringt ihnen jemand diverse Entspannungsübungen bei? Müssen Sie alles selber machen, oder leitet Sie jemand in den tiefen friedlichen Zustand hinein, den wir Hypnose nennen?

Wenn eine HypnoBirthing Kursleiterin sagt „alle Hypnose ist Selbsthypnose“, dann hat sie auf eine bestimmte Art recht. Denn letztendlich „ist Hypnose, die Wissenschaft und Kunst, Menschen in einen Zustand zu versetzen, in dem sie sich selber helfen können“ (Paul Aurand)[iv]. Aber, und das ist ein großes ABER, Selbsthypnose kommt nicht mal bei sehr trainierten Menschen an die tiefen Zustände medizinischer Hypnose heran, in die eine professionell geleitete Hypnose sie führt. Selbsthypnose kann angeleitete Hypnose nur unterstützen und da spreche ich aus eigener Erfahrung.

 

HypnoBirthing-Kurse live oder als Konserve

Zuletzt müssen Sie, wenn Sie einen Hypno-Birthing Kurs suchen und buchen noch entscheiden:

1. Live & persönlich in einer kleinen Gruppe, so dass jede Frau ihre Fragen stellen kann. Das kann vor Ort oder Online stattfinden, heute macht die Technik vieles möglich. 3Keys® HypnoBirthing ist als live Kurs aufgebaut, Sie müssen sich auf die Termine einlassen können und zwischen den Sitzungen ihre „Hausaufgaben“ machen, wie in der Schule. Zwei Wochen später und sie können die Übungen nicht mehr besprechen 😉.

2. Online-Kurs der aus fertigen Videos und Audios besteht und frau arbeitet sich in eigenem Tempo durch das Kursmaterial. Keine festen Termine, auch keine Parkplatz-Suche falls Sie nicht in Fahrradnähe zum Kursort wohnen.

 

Beides hat Vor- und Nachteile. Ich finde für viele Inhalte Online-Kurse toll, aber wenn es um Geburt geht, finde ich es unglaublich wichtig, dass individuelle Probleme von tiefem Plazentasitz bis hin zur Vorbeugung von Wochenbetts-Depressionen im Kurs besprochen werden können. HypnoBirthing Kurse werden mittlerweile von vielen Krankenkassen bezuschusst, aber nur zum Teil. Die Kurse kosten zwischen 350 und 550 €. Wie immer, wenn wir Geld in die Hand nehmen heißt es „Augen auf beim Hühnerkauf!“ recherchieren Sie gründlich und hören auf ihr Bauchgefühl.

 

Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, in das ursprüngliche Wissen und Können unserer Körper ist die Grundlage einer guten Geburtserfahrung. Es geht darum, dem eigenen Körper zu vertrauen und sich dem Prozess zu überlassen. Letztendlich ist es unser Körper und nicht unser Kopf, der das Baby zur Welt bringt. Das tiefe Vertrauen, dass Kleinchen zu genau dem richtigen Zeitpunkt auf dem richtigen Wege geboren wird, so, wie es für uns beide am besten und am sichersten ist, das ist das Ziel von gutem HypnoBirthing. Und dass die Frau damit hinterher gut zufrieden sein kann, entspannt ins Wochenbett geht, das ist wichtig. Geburtsvorbereitung, die auch einen Kaiserschnitt als eine gute Geburt anerkennen kann und nicht als „Versagen“ von Frau oder Klinikpersonal ansieht, das ist das Ziel von „gutem“ HypnoBirthing egal unter welchem Namen es angeboten wird.

Weiterführende Informationen finden Sie auf unserer Internetseite, das Anmeldeformular für die nächsten Kurse finden Sie hier.

 

Ihre Dr. Dorothee Struck

 

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3Keys HypnoBirthing

 

[i] Marisa Peer, die Begründerin der Rapid Transformational Therapy (RTT®) https://rtt.com/whatisrtt/

[ii] Mit Hypnosetherapie ist das etwas anders, das dürfen nur Angehörige der Heilberufe: Ärzte, Psychologen mit Psychotherapiezulassung und Heilpraktiker. https://www.frauengesundheit-kiel.de/de/hypnose/medizinische-hypnose-in-der-geburtshilfe.html

[iii] Ja, natürlich gibt es – wie in jedem Beruf - schwarze Schafe. Aber die meisten Kolleginnen möchten Ihnen wirklich nur beistehen und helfen. Das wird uns, Ärzten wie Hebammen heute in den Kliniken nicht gerade leicht gemacht. Ich denke manchmal, ich habe 2004 nach 10 Jahren den Kreissaal verlassen, als es noch Spaß war. Wenn ich die Personalknappheit heute sehe, den Wust an Dokumentation die gefordert wird… Hut ab vor allen, die unter diesen Bedingungen gute und professionelle Geburtshilfe leisten.

[iv] Paul Aurand ist ein Hypnosetherapeut und Entwickler der „Body Wisdom Technik“, die die das Hören auf die inne liegende Weisheit des Körpers beinhaltet. https://paulaurand.com/about/

 

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