Heilpflanzen & Hormone: Kopfschmerzen im Östrogental

von Dr Dorothee Struck (Kommentare: 0)

Heilpflanzen und Hormone Online-Kurs

 

Schwankungen der Geschlechtshormone werden von manchen Frauen kaum bemerkt, bei anderen schlagen diese sehr unangenehm zu Buche. Sackt der Blutspiegel an Östrogen ab, können

  • Kopfschmerzen getriggert werden
  • Schlafstörungen auftreten oder sich verstärken
  • Herzklabastern[i] (Herzstolpern, Extrasystolen oder schneller Puls vorkommen, das Herz schlägt sprichwörtlich bis zum Hals
  • Trockene Vagina mit Problemen beim Geschlechtsverkehr
  • Hitzewallungen und/oder Schweißbildung entstehen

(Das muss aber nicht auftreten und schon gar nicht alle Symptome zusammen)

 

 

Wann fällt der Östrogenspiegel ab… oder wird er abgefallen?

Gründe für ein Absacken des Östrogenspiegels oder ein Östrogental gibt es viele. Neben der Wechselzeit ist es die Menstruation selbst mit ihrem Neustart im Zyklus, daneben aber auch ärztliche Therapien:

  • Im langen Protokoll einer Kinderwunschbehandlung, wenn vor der Stimulation der Eierstöcke der Hormonspiegel gezielt abgesenkt werden, um ein besseres Stimulationsergebnis zu erzielen.
  • GNRH-Analoga bei Endometriose
  • Hormontherapie zur Schrumpfung von Myomen vor einer Operation, wenn z. B. ein Bauchschnitt vermieden werden soll
  • In der Pillenpause, wenn eine Frau eine kombinierte Östrogen/Progestin-Pille nimmt, den Verhütungsring oder ein Pflaster
  • im frühen Wochenbett, wenn die hohen Östrogenspiegel der Schwangerschaft vom Stillhormon Prolaktin verdrängt werden

Nicht nur in den Wechseljahren, wenn die Hormone ganz natürlich tanzen bevor diese sich auf ein neues, niedrigeres Niveau einpendeln, kommen diese Beschwerden vor. Ein Absacken des Östrogens haben wir natürlicherweise auch während der Menstruation. Der Progesteron-Spiegel sackt ca. 3 Tage vor der Mens ab, wenn unser Körper feststellt: „Nicht schwanger geworden, diesen Monat“. Genau genommen ist dies der Anfang eines neuen Zyklus, aber dieser ist nicht einfach festzustellen, außer frau betreibt intensives Zyklusmonitoring (NFP). Daher nehmen wir immer als ersten Zyklustag per Definition den ersten Tag an dem es bis mittags regelstark blutet; Klecker- und Schmierblutungen zählen nicht. Am zweiten bis vierten Tag des Zyklus findet der Nadir, der tiefste Punkt des Östrogenspiegels statt. Erst mit Beginn der Blutung fällt die Östrogenproduktion ab, drei bis vier Tage nach dem Abfall des Progesterons und dem Untergang des Gelbkörpers.

 

 

Kopfschmerzen während der Menstruation, Downregulation, Pillenpause oder im Wechsel

Klagt eine Patientin über Kopfschmerzen im Zusammenhang mit der Menstruation, ist immer eine ganz wichtige Frage: Treten die Kopfschmerzen in den Tagen vor der Blutung auf oder erst während das Blut schon fließt? Liegt das Problem am fallenden Progesteronspiegel oder am Absacken der Östrogenproduktion. Nur wenn diese Frage gestellt wird, kann ich die richtigen, passenden und oft sehr gut wirksamen Heilpflanzen verordnen. Pflanzen, die vor der Regel gut helfen können, wie das Mutterkraut (Chrysanthemum/Tanacetum parthenium[ii]), bringen oft gar nichts, wenn das Problem an einer anderen Stelle des Hormontanzes liegt.

Natürlich können wir den Patientinnen mit Kopfschmerzen im Östrogen-Tal klassische Phytoöstrogene anraten oder Ernährungstipps auf den Weg geben: „Essen Sie mehr Soja!“ Die Flavonoide im Soja haben eine östrogene Wirkung, zwar viel schwacher als das körpereigene, aber immerhin. Nicht umsonst gab es bereits seit den 1990er Jahren Studien, dass das Trinken von Sojamilch Hitzewallungen in den Wechseljahren in Häufigkeit und Stärke mindern kann. Allerdings ist Soja vor allem in großen Mengen auch problematisch: es bremst die Schilddrüse und ein Allergen kann es auch sein. Nur, was tun, wenn der Abfall des Östrogens gewollt ist. Die Kinderwunschklinik hatte gute Gründe, das lange Protokoll anzusetzen oder ein großes Myom vor einer Operation zum Schrumpfen anzuregen. Dann ist die Empfehlung, Phytoöstrogene zu nehmen eher unangebracht. Neben der Frage, was verursacht die Beschwerden ist auch der gesamte Kontext wichtig. Eine medizinisch wichtige Behandlung soll nicht durch die Heilpflanzen behindert werden und möglicherweise schlechter wirken.

 

 

It´s complicated! Es ist nicht so einfach!

Ich bin gerne praktisch ausgerichtet. Meine Hebammen-Schülerinnen in den 1990ern wussten, ich verpacke gerne die notwendige Theorie der Medizin in praktische Anwendungen oder wenn das nicht möglich war, dann hieß es: „durch diesen Themenblock müssen wir jetzt durch, aber am Ende besprechen wir eine Heilpflanze oder einen anderen naturheilkundlichen Tipp, der für Eure Frauen nützlich ist.“ Im Online-Grundkurs Heilpflanzen mache ich jetzt genau das Gleiche: Die Theorie, die viele gerne überspringen möchten, verpackt in das Thema: Beschwerden durch Schwankungen im Östrogenspiegel[iii]. Denn nur, wenn ich verstehe, warum Extrakt nicht gleich Extrakt ist, wann eine Frau mit einem Tee gut versorgt ist und warum manchmal Fertigpräparate die bessere Lösung sind, dann kann ich ihr mit größtmöglicher Wahrscheinlichkeit helfen, sei es bei Beschwerden im Wechsel oder durch eine östrogenabsenkende Therapie.

 

Wenn Sie auch Patientinnen versorgen und sich fragen, welche Pflanzen für welche Beschwerden geeignet sind und die Liste brauchen, welche wir nehmen können für Frauen, die Phytoöstrogene vermeiden sollen, lade ich Sie herzlich zum Online-Kurs ein.

Wenn Sie Patientin sind, sprechen Sie mich in der Praxis an, wenn die Down-Regulation oder Medikation zur Senkung des Östrogenspiegels Ihnen Probleme macht. Für die meisten Probleme lassen sich pflanzliche Helferlein finden, die wenn auch nicht immer die Kopfschmerzen, Hitzewallungen oder Schlafstörungen ganz wegzaubern, zumindest lindern können.

Einladung zum Online-Kurs: Heilpflanzen

Was enthält der Kurs Grundlagen der Phytotherapie – nun, wir klären die Frage, was für Heilpflanzen-Zubereitungen es gibt, wie sie hergestellt werden, was dies für die Anwendung bedeutet. Wir haben

  1. Phytopharmaka / teils als Nahrungsergänzung zugelassen versus
  2. Traditionelle Phytotherapeutika & Tees

Und gucken uns am Beispiel der einzelnen Beschwerde-Komplexe: Nachtschweiße, Herzklabastern (Palpitationen) & Co an, was seit über 25 Jahren meinen Patientinnen nützt. Schon lange, bevor ich mich in Kiel niedergelassen habe, waren Heilpflanzen meine beste Freude für Frauen, die mit Östrogentälern zu kämpfen haben.

Zur Anmeldung

Ihre Dr. Dorothee Struck

 

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[i] Wenn Herzrhythmusstörungen auftreten muss natürlich an allererster Stelle der Weg zum Hausarzt führen: Abhorchen des Herzens, EKG schreiben lassen, eventuell Blut abnehmen lassen und andere Untersuchungen. Ganz wichtig, auch wenn bei hormonell bedingtem Herzklabastern sehr selten eine ernsthafte Ursache dahintersteht: Immer erstmal ausschließen, dass eine schwerwiegende Herzerkrankung dahintersteht.

[ii] Da es Sesquiterpenlactone enthält, Gebärmutterkontraktionen anhält und die Toxizität unklar ist, bei Kinderwunsch nicht vorbeugend anwenden sondern erst, wenn sich an Hand der abfallenden Temperaturkurve zeigt, dass eine Schwangerschaft unwahrscheinlich ist.

[iii] Das Problem der Wechseljahre ist nicht der absolute Hormonmangel, sondern die Schwankungen, bis wir uns auf ein niedrigeres gleichmäßiges Niveau eingependelt haben. Das Abgewöhnen des Zyklus kann turbulent verlaufen, genau so wie die Pubertät, das „Angewöhnen“ des zyklischen Seins als fruchtbare Frau. Die Idee, dass ein niedriger Östrogenspiegel eine Krankheit ist... na, dann wären ja alle Männer krank, alle vorpubertären Mädchen, alle Frauen, die ganz natürlich nicht mehr fruchtbar sind, weil die Wechselzeit hinter ihnen liegt.

Disclaimer:

Die Beiträge dieses Blogs dienen der allgemeinen Information über gesundheitliche Themen. Sie können und sollen in keinem Falle die ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung ersetzen. Sie sollten daher die hier bereitgestellten Informationen niemals als alleinige Quelle für gesundheits-bezogene Entscheidungen verwenden und sie dürfen nicht als Grundlage zur eigenständigen Diagnose und Beginn, Änderung oder Beendigung einer Behandlung von Krankheiten verwendet werden. Zur eigenverantwortlichen Behandlung geringfügiger Gesundheitsstörungen finden  Sie hier Informationen zu Teemischungen und Produkten, die rezeptfrei in der Apotheke erhältlich sind. Es entbindet sich nicht von der Pflicht, die Beipackzettel zu studieren und ggf. Rat von Ihrer Ärztin oder Apothekerin einzuholen. Bei anhaltenden oder zunehmenden Beschwerden sollten Sie auf jeden Fall ärztlichen Rat einholen. Die Inhalte erheben weder einen Anspruch auf Vollständigkeit noch kann die Aktualität, Richtigkeit und Ausgewogenheit der dargebotenen Information garantiert werden.

Bildnachweis /Fotos: Dr. Dorothee Struck, Joachim Struck, Creative Commons oder gekauft bei Depositphotos/Jumpstory

 

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