Beckenendlage

von Dr Dorothee Struck (Kommentare: 0)

Beckenendlage

Geburt aus Beckenendlage

In der Geburtshilfe bin ich in den 1990ern groß geworden, in einem kleinen, feinen Krankenhaus mit einer Geburtshilfe, in der die vaginale Geburt eines Kindes aus Beckenendlage normal war. Ich habe von einem großartigen Chef gelernt und von Oberärzten, die genau wussten, worauf zu achten war, wann es sicherer ist, einen Kaiserschnitt zu machen und wann wir der Natur ihren Lauf lassen und nur unterstützen. In den Zweitausender Jahren verschwand die Kunst der Beckenendlagen-Geburt auf natürlichem Wege mehr und mehr aus den Kreißsälen in Schleswig-Holstein und ich bin unglaublich froh, dass beide Kliniken in Kiel heute wieder Beckenendlagen-Geburten auf normalem Wege begleiten. Nach Vorstellung und Geburtsplanung und in den letzten Monaten haben einige meiner Patientinnen wieder diesen Weg erfolgreich beschritten.

 

Beckenendlagen-Babies zum Drehen anregen

Stressfreier ist es aber für alle Beteiligten, wenn das Baby mit dem Kopf zuerst anlandet und daher steht erstmal an: Klar zu Wende, bevor „Rhe!“[i] gerufen wird, treffen wir die Vorbereitungen. Bei der Beckenendlage gibt es verschiedene Methoden, die ab der 34. SSW angewendet werden können:

  • Moxibustion: Das Erhitzen des Akupunkturpunktes Blase 67, dem Quellpunkt des Blasenmeridians, mit getrocknetem Moxa-Kraut. Dazu wird eine „Zigarre“ mit dieser gepressten Beifuß Art angezündet, der Akupunkturpunkt auf jeder Seite über ca. 10 Minuten immer wiedererwärmt.
  • Knie-Ellenbogenlage: Das Becken wird dabei höher gelagert als die Schultern, das Baby im Bauch rutscht etwas nach oben und unten, um anschließend mehr Platz zum Drehen zu haben. 20 Minuten jeden Abend, direkt vor dem Schlafengehen wirkt am besten. Danach viel Herumlaufen, dann wirkt die Schwerkraft wieder auf Baby und Gebärmutter ein und der Effekt ist schnell wieder vergangen. Knie-Ellenbogen-Lage kann direkt nach einer Moxibustion eingenommen werden.
  • Hypnose: Zuerst wird eine tiefe Entspannung eingeleitet, und dann ein Kontakt zwischen Mutter und Kind hergestellt, ein Dialog in dem die Mutter das Baby einlädt, sich in die beste Geburtsposition zu begeben. Die Körperintelligenz von Mutter und Baby wird in der Hypnose aktiviert.
  • Haptonomie[ii] aus der Haptonomie können verschiedene Elemente, wie das Ausrichten des weiblichen Beckens für eine leichte Geburt und das Einladen des Kindes in eine gewünschte Position angewendet werden, um ein Baby, das schon recht tief sitzt, mit dem Po, wieder aus dem Trichter-förmigen Becken herauszulocken und Raum zu geben, damit eine Wendung eintreten kann.
  • Taschenlampen-Führung: Mit Licht wird durch die Bauchdecke das Kind angelockt eine „Rolle vorwärts zu machen“. Diese erste Hilfe-Maßnahme kann ganz einfach zu Hause durchgeführt werden. Wie hoch die Erfolgsrate ist, kann ich nicht sagen.
  • Äußere Wendung: In der Klinik wird das Kind mit bestimmten Handgriffen erst aus dem Becken der Frau herausgelockert und dann in eine Rolle vorwärts geschoben. Bei der äußeren Wendung mit eher festen Handgriffen besteht ein, wenn auch sehr geringes, Risiko von Komplikationen wie Ablösung des Mutterkuchens und Blutungen. Daher wird die äußere Wendung nur durchgeführt, wenn ein Notfallteam für einen zügigen Kaiserschnitt zur Verfügung steht. Wir bieten keine äußeren Wendungen in meiner Praxis an.

 

Wie arbeiten wir mit Babies in Beckenendlage?

Bei uns in der Praxis gehen wir in zwei Stufen vor, mit denen sich viele Kinder dann doch gedreht haben.

Schritt 1: ab der 34. SSW ist bei uns immer die Kombination von Moxa-Anwendung und Knie-Ellenbogen-Lage. Wir erklären unseren Schwangeren genau, was sie (und der Partner, denn mit sehr rundem Bauch liegt der kleine Zeh gefühlt auf einem fernen, schwer zu erreichenden Kontinent) zu Hause zu tun haben, geben Moxa-Zigarren mit und dann heißt es für die nächsten sieben bis zehn Tage: Wärmen, Lagern, Schlafengehen!

Schritt 2: ungefähr die Hälfte der Babys hat sich bei der Kontrolle nach ein bis zwei Wochen gedreht. Super! Wenn nicht, sehe ich mir die Beckenwinkel an, taste vom Bauch und von vaginal, wie wir die Position des Beckens und des Babys im Verhältnis zur Beckeneingangsebene „drehungsfreundlich“ optimieren können. Dann richte ich das Becken aus, wir laden das Baby ein mit sanften Handbewegungen über den Bauch, sich so hinzulegen, dass es viel Platz zu drehen hat, bevor wir ihm in Hypnose, erklären, warum es gut ist, wenn es sich dreht. Manchmal habe ich das Gefühl, das eine oder andere Lütte denkt sich: „Ach, so, das muss einem ja gesagt werden!“ Allerdings drehen sich viele Kinder nicht während der Behandlung, sondern wählen die folgende oder eine spätere Nacht, wenn Mamma völlig entspannt schläft.

 

Ihr Baby liegt falschrum in Beckenendlage? Holen Sie sich Unterstützung!

Wenn Ihr Baby mit dem Hintern im Becken sitzt, überlegen Sie, was sich stimmig für Sie anfühlt, holen Sie sich Hilfe und Unterstützung durch Hebamme, Frauenärztin und Geburtsklinik. Wir bieten seit einigen Monaten auch „All-in-Termine“ an, für Frauen, die nicht aus Kiel kommen, bei denen ich mir 90 Minuten Zeit nehme, das Becken ausrichte, dem Paar zeige, wie es dem Baby Raum geben kann, sie die Gebärmutter weich „zaubern“ können. Danach führe ich eine Hypnose durch, die aufgenommen wird und die die Patientin in den folgenden Tagen jeden Abend beim Einschlafen anhört.

Wir bieten auch Hypnose zur Beckenendlagen-Wendung per Zoom-Video-Call an, wenn der Anfahrtsweg zu weit ist. Die körperlichen Maßnahmen können ggf. bei Ihnen vor Ort durch Ihre Hebamme, Ärztin oder Osteopathin auf den Weg gebracht werden.

Sind Sie ohnehin Patientin bei uns, beschnacken wir alles bei der Mutterschaftsvorsorge.

 

Wie ist die Erfolgsrate ein Baby in Beckenendlage sanft zur Wendung anzuregen?

Nach meiner Erfahrung über 70% drehen sich die Babys richtig herum, wobei auch gesagt werden muss, dass sich einige Kinder von ganz alleine nach der 34. SSW noch umdrehen, manchmal sogar ganz kurz vor dem errechneten Geburtstermin.

Wenn alle diese Maßnahmen nicht greifen, das Kind immer noch mit dem Allerwertesten unten sitzt, dann stellt sich die Frage ob Kind und Körper nicht einfach wissen, dass es gut ist, so wie es ist. Jeder Körper hat seine eigene, innere Weisheit, sowohl der, der Mutter als auch des Babys. Manchmal ist eine vaginale Beckenendlagengeburt völlig unkompliziert und läuft komplett glatt ab, so dass frau sich hinterher fragt „wozu die ganze Aufregung?“. Manchmal ist der Kaiserschnitt der sichere, einfachere Weg und damit eine gute Geburt. Die Entscheidung ist individuell, hängt von der Schwangerschaft, Beckenmaßen der Frau, der Größe des Kindes und anderen Faktoren ab und muss in jedem Einzelfall besprochen werden.

 

 

[i] Rhe! (Gerufen "Rii!") Ist der Ruf, der beim Segeln ertönt, wenn die Vorbereitungen getroffen sind und die Mannschaft sich JETZT zur Wende bereitmacht, gerade bei kleinen Jollen heißt das sofort und umgehend den Kopf einziehen, sonst tut es weh, wenn der Baum über das Boot fegt.

[ii]Haptonomie ist eine in Deutschland leider wenig bekannte und angewendete Form der vorgeburtlichen Begleitung. Die Beckenendlagen-Wendung gehört in die haptonomische Eltern-Kind-Begleitung, es können aber auch einzelne Elemente zur Wendungsanregung angewendet werden https://de.wikipedia.org/wiki/Haptonomie

 

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Disclaimer:

Die Beiträge dieses Blogs dienen der allgemeinen Information über gesundheitliche Themen. Sie können und sollen in keinem Falle die ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung ersetzen. Sie sollten daher die hier bereitgestellten Informationen niemals als alleinige Quelle für gesundheits-bezogene Entscheidungen verwenden und sie dürfen nicht als Grundlage zur eigenständigen Diagnose und Beginn, Änderung oder Beendigung einer Behandlung von Krankheiten verwendet werden. Zur eigenverantwortlichen Behandlung geringfügiger Gesundheitsstörungen finden  Sie hier Informationen zu Teemischungen und Produkten, die rezeptfrei in der Apotheke erhältlich sind. Es entbindet sich nicht von der Pflicht, die Beipackzettel zu studieren und ggf. Rat von Ihrer Ärztin oder Apothekerin einzuholen. Bei anhaltenden oder zunehmenden Beschwerden sollten Sie auf jeden Fall ärztlichen Rat einholen. Die Inhalte erheben weder einen Anspruch auf Vollständigkeit noch kann die Aktualität, Richtigkeit und Ausgewogenheit der dargebotenen Information garantiert werden.

Bildnachweis /Fotos: Dr. Dorothee Struck, Joachim Struck, gekauft bei Jumpstory, Depositphotos oder Creative Commons

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