nach Fehlgeburt Vertrauen fassen: diese Heilpflanze könnte helfen

von docdodo (Kommentare: 0)

Heilpflanze Gunderman (Glechoma Hederacea) Foto: Dr. Dorothee Struck
Heilpflanze Gundermann (Glechoma Hederacea) auch nach Fehlgeburt oft nützlich

Dritter Januar, strahlend sonniges Wetter, der erste Kaffee des Jahres auf dem Balkon. Richtig schön sieht es gerade nicht aus und dass nicht nur wegen der drei noch nicht weggefegten Wunderkerzen auf dem Boden. Kleine braune Strünke in einigen Töpfen, in anderen Pötten vereinzelte, ganz kleine grüne Spitzen gucken aus brauner Erde: frühe Schneeglöckchen. Nur der große Pott mit Efeu und Erdefeu zeigt richtig viel Grün und Leben. Hätten wir schon richtig kräftigen Frost gehabt, hätte sich auch der Gundermann verkrümelt um dann im zeitigen Frühjahr wieder auszutreiben, aber nein, noch wächst er in langen Ranken über den Topfrand hinaus. Gundermann, Erdefeu, Gundelrebe, botanisch Glechoma hederacea trägt viele Namen, ich schätze diese lang rankende oder auf dem Boden kriechende Pflanze bei so mancher Patientin mit Fehlgeburten in der Vorgeschichte, auch wenn sie dafür nicht sehr bekannt ist, aber dazu kommen wir später.

 

Früher geschätzt, heute oft vergessen: die Gundelrebe

Jahrhundertelang war es ein wichtiges Kraut, das im Frühjahr angewendet wurde um Trägheit und Kälte des Winters aus dem Körper zu treiben. Dr. Roger Kalbermatten hat zum Erdefeu so schön geschrieben: „er beendet Winterstarre und Dunkelheit“. Als Bestandteil des Neun-Kräuter-Segens und vieler Blutreinigungstees wurden die Blätter von April bis Juni geerntet, auch wenn er oft schon im Februar wieder austreibt als eines der ersten Lippenblütlergewächse. Als Wildgemüse wurde er früher auch gerne im zeitigen Frühling genutzt und war als „Soldatenpetersilie“ nicht nur wegen seines erdigen, würzigen Geschmackes zum Aufpeppen der eintönigen Feldküche mit Kartoffelstampf und Rübenmus begehrt, nein, er schützte auch gegen Ermüdung, Schwäche und mangelnde „Bißkraft“. Schon die heilige Hildegard empfahl die Gundelrebe bei Erschöpfungszuständen, oft als Zusatz zum Essen. Den „magischen Faktor“ der die Soldaten im Feld vor Skorbut und verlangsamter Wundheilung schützte, den haben wir biochemisch entschlüsselt: es ist das in ihm enthaltene Vitamin C, das den Menschen früherer Jahrhunderte gerade im zeitigen Frühjahr fehlte, vor allem wenn die Kohlsorten des Winters stundenlang totgekocht wurden.

Wenn Sie selber den Erdefeu als Teepflanze oder Wildgemüse ernten wollen, achten Sie bitte darauf, dass diese dicht auf dem Boden wachsende Pflanze auch Fuchsbandwurm und andere durch Ausscheidungen von Tieren übertragene Erkrankungen auf sich sitzen haben kann. Töpfe oder Hochbeete sind da eine sichere Alternative und selbst auf meinem Balkon ist die Gundelrebe sehr widerstandsfähig, selbst wenn sie nicht immer die größte Aufmerksamkeit bekommt, es ist eine Pflanze, die eine starke Lebenskraft in sich trägt.

 

Efeu und Erdefeu, sehr unterschiedliche Pflanzen, traditionell nicht bei Fehlgeburt verwendet

Neben den kräftigen, wie gelackt grünen Blättern des echten Efeus sehen die des Erdefeu eher zart aus. Beide galten lange als Hustenmittel, wobei die traditionelle Empfehlung, im Winter eine getrocknete Erdefeuranke an der Brust zu tragen, das würde vor Bronchitis schützen, eher in den Bereich der Mythen und Sagen fällt, ebenso die Empfehlung, eine bis zum Nabel getragene Gundelrebe würde auch für regelmäßigen Stuhlgang sorgen. In alten Teemischungen für Brusttees ist der Erdefeu gerne mal zu finden, der wissenschaftlichen Überprüfung der Wirkung bei Lungen- und Bronchialerkrankungen hat er aber bislang nicht standgehalten. Geht die nächste Erkältungswelle um, halte ich mich bei starker Verschleimung der Bronchien daher eher an den kräftigen Verwandten vom Namen her; botanisch sind sie recht unterschiedlich und optisch auch kaum zu verwechseln. Der echte Efeu (Hedera helix) wird im Winter viel gebraucht: die Saponine, Seifenstoffe in ihm lösen Schleim und machen ihn zu einem bewährten Hustenmittel. Bitte ernten Sie den echten Efeu nicht selber, die Blätter enthalten die Wirkstoffe in sehr unterschiedlichem Maße, der schmale Grat bei Saponinen zwischen Wirkung und Nebenwirkung ist manchmal nicht einfach zu treffen. Als Tee ist er nicht wirklich geeignet, denn schon bei leichter Überdosierung der Seifenstoffe drohen Magenbeschwerden und Schlimmeres, aber die Apotheken warten zum Glück mit standardisierten Extrakten auf, mit denen selbst Kinder gut und sicher behandelt werden können.

 

Gundermann, wenn eine Fehlgeburt den Boden unter den Füßen schwanken lässt.

Als Bronchitis-Kraut eher überschätzt, ist mir die Gundelrebe doch sehr ans Herz gewachsen, wenn eine Frau nach einer Fehlgeburt oder mehreren Abgängen wie erstarrt wirkt. Teils versteckt sich diese Erstarrung und Verfestigung hinter vielen, vielen, vielen Fragen und intellektuellen Versuchen, den eigenen Zyklus und den Körper zu kontrollieren. Natürlich bedarf es einer gründlichen Anamnese und passender Diagnostik, gerade bei mehrfachen Fehlgeburten, und ggf. je nach Befunden eine entsprechende Behandlung zur Unterstützung. Und dann besteht die große Kunst darin, es dem Körper zu überlassen, seine Arbeit zu tun. Aber das ist manchmal sehr, sehr schwer, wenn einer Frau die Fehlgeburt sehr an die Nieren gegangen ist.

 

Vor etlichen Jahren habe ich selber die Urtinktur Glechoma Hederacea genommen, da mir Selbstversuche und intensive Begegnungen mit Pflanzen in der Natur oft helfen, Aspekte zu verstehen, die nicht immer in den Lehrbüchern der Phytotherapie zu finden sind. Die ersten Tropfen auf der Zunge und ich hatte das Gefühl, plötzlich wieder den Boden unter meinen Füßen fest zu spüren, verankert zu sein im Leben und gleichzeitig beweglicher zu werden. Wie sehr ich in den Tagen zuvor in meinem Kopf gefangen war, um mich selber und um ein Problem gekreist bin; wie sehr ich darum gerungen hatte, die Kontrolle über einen Bereich zu behalten, den ich nicht wirklich festzimmern konnte, war mir vorher gar nicht bewusst. Auch eine neue Schwangerschaft kann ich nicht im Bauch festtackern, und das ist gut so. Wir werden nicht mit dem Kopf schwanger, sondern mit dem Bauch, dem wir (wieder) vertrauen lernen müssen.

 

Lange nicht alle Frauen, die mal eine Fehlgeburt erlebt haben, brauchen den Gundermann. Viel öfter verordne ich bei dem akuten Trauma an Seele und Gebärmutter das Gänseblümchen als Urtinktur.  Ist aber über einen längeren Zeitraum die Energie im Bauchraum wie erstarrt, und möchte ich Gelassenheit und die Fähigkeit, sich wieder dem Fluss des Lebens und den inneren Heilkräften anzuvertrauen, in der Patientin fördern, dann ist der Erdefeu eine gute, sanfte Pflanze. Vor allem unterstützend zur Therapeutischen Frauenmassage vor einem erneuten Versuch schwanger zu werden hilft sie uns bei so mancher Patientin, aus dem Kopf hinunter zu rutschen und wieder im Bauch und in ihrer Basis Platz zu nehmen. Andrea Ott an, die Frau mit den goldenen Händen und dem großen Herzen bei sekundärer Sterilität steht mir zum Glück im Team an der Seite mit ihren heilsamen Berührungen.

 

 

Ich wünsche Ihnen einen guten Start in das neue Jahr mit Schwung und Vertrauen, das das Leben es gut mit uns meint, auch wenn wir es nicht immer auf den ersten Blick erschließen können.

Ihre Dr. Dorothee Struck

 

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Foto: Dorothee Struck, Gundelrebe / Gundermann / Erdefeu

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Eigentlich gibt es immer nur 2 Bilder pro Blog... aber ich experimentiere gerade mit Makros und Bildbearbeitung, und diese Blüte des Gundermann, der unterschätzen Pflanze bei Zustand nach Fehlgeburt wollte ich Ihnen nicht vorenthalten 

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