Wechseljahre, ein Schreckgespenst... Wirklich?

von docdodo (Kommentare: 0)

sind Hitzewallungen Pflicht?

Neulich kam wieder eine Dame zum TÜV, dynamisch, flott und Anfang 50. Auf meine Frage, was zu besprechen wäre, sage sie: „Ich warte!“ „Worauf?“ „Na, ja, Beschwerden, ich habe jetzt seit einem knappen halben Jahr keine Regel mehr und warte immer darauf, dass was passiert." Was soll passieren? "Na, meine Nachbarinnen und Freundinnen erzählen alle wilde Dinge von Hitzewallungen, Schlafstörungen und ich hab noch gar nichts.“

 

Nein, Hitzewallungen sind keine Bürgerinnen-Pflicht!

Wie ich an anderer Stelle geschrieben habe: mindestens 1/3 aller Frauen hat keinerlei Beschwerden, so gar keine! Und ein weiteres Drittel hat leichte. Es ist keine Vorschrift, das wir depressiv, launisch und dauer-schweißig werden und kaum sind die Wechseljahre durch, an Osteoporose zerbröseln. Wenn sich keine Beschwerden einstellen und einfach nur die Regel wegbleibt, freuen Sie sich und lauern nicht drauf und denken immer: das kann es doch nicht gewesen sein! „Aber der Östrogenmangel…“ fing die Patientin an.

 

„Wenn Östrogen-Mangel eine Krankheit wäre, dann erklärt das, warum Männer so komisch sind“

Dieser Satz stand auf einem Zettel am Schwarzen Brett der Heilpraktiker-Schule in der ich Anfang der 90er Jahre unterrichtet habe. Erst medizinische Grundlagen und Krankheitslehre, später dozierte ich auch über Heilpflanzen, Aromatherapie, Bach-Blüten und andere Naturheilverfahren. Die Schüler waren überwiegend Frauen, plus ein bis drei Quoten-Jungs pro Kurs, der Chef von das Ganze: ein Mann. Immer wenn er in der Schule war, verschwand der Zettel, um kurz darauf neu zu erscheinen. Ich habe nie herausgefunden, wer da den Chef ärgern wollte. Aber die Aussage ist vielschichtig spannend. Ich finde Männer nicht per se komisch. Anders sind sie als viele Frauen, oft ja, aber nun, nur, weil Männer deutlich weniger Östrogen haben, als wir in unserer fruchtbaren Phase, heißt das nicht, das sie verkehrt sind. Wieviel davon liegt an den Hormonen und was ist bedingt durch Sozialisation wäre auch eine Frage? Und das die Wechseljahre als solche ein Östrogen-Mangel sind, der dringend mit Östrogen-Tabletten /-Pflaster /-Gel / und demnächst auch Hautspray behandelt werden muss, ist eine Mär der Pharmaindustrie. Ja, die verschiedenen Östrogene können bei starken Beschwerden ein echter Segen sein, meistens reichen sanftere Behandlungsmethoden völlig aus. Und die Symptome der Wechseljahre sind meist nicht dem Mangel geschuldet, sondern dem Schwanken der Hormonspiegel, bei dem zeitweise ein relatives Östrogenüberangebot herrscht, das sich mit Östrogentälern abwechselt. Wie in der Pubertät sucht der Körper nach einem neuen Gleichgewicht.

 

Was wäre, wenn die Phasen des niedrigen Estradiol-Spiegels eigentlich die Norm wären?

Mädchen vor der Pubertät sind ja auch nicht verkehrt oder komisch. Genau so wenig, wie die hoffentlich fröhliche Frau, die ihr Alter genießen kann. Mich hat vor über 15 Jahren ein Buch sehr aufgerüttelt, ganz anderes über Wechseljahre zu denken: Frau, eine intime Geographie des Körpers, in der die Autorin und Pulitzerpreisträgerin Natalie Angier in einer Tour de Force Wissenschaftliches zum weiblichen Körper, unseren Hormonen und mehr zusammengetragen hat und hinterfragt, ob die Art, wie diese Daten üblicherweise interpretiert werden nicht auch völlig anderes gesehen werden können. Die englische Originalausgabe wurde 2014 überarbeitet und bislang nicht übersetzt. Ich kann das englische Buch sehr empfehlen, es ist genial, sprachlich ein Genuß, gleichzeitig nicht ganz leichte Kost! Und... das Buch könnte langfristig Ihr Verhalten ändern! Meines hat sich geändert, und seitdem erzähle ich vielen Frauen, die am Beginn des Wechsels stehen:

 

"Das ist der Anfang vom Ende Ihrer Östrogenvergiftung!"

Menschenkinder sind im Vergleich zu Tierkindern extrem lange pflegebedürftig und abhängig. Ein kleines Gnu beginnt nach ca. 2 Stunden der Herde hinterherzulaufen, wird eine Weile gesäugt aber steht im wahrsten Sinne des Wortes sehr rasch auf eigenen Beinen. Damit Frauen in der Lage sind, von Ihren eigenen Bedürfnissen abzusehen, immer wieder über Ihre Grenzen zu gehen, haben wir laut Natalie Angierin unserer fruchtbaren Zeit eine „Östrogenvergiftung“. Ohne den Einfluss von viel Östrogen auf das Gehirn würden sich Frauen kleine Kinder (und auch so manche Ehemänner) nicht ans Bein binden. Nein, es geht nicht darum, Kinder abzulehnen; es geht darum, dass diese Hypothese besagt, ein hoher Östrogenspiegel läßt uns vieles ertragen, was eigentlich eine Zumutung ist: Jahrelanger Schlafmangel durch Stillen, erste Zähne, Windpocken, etc. sisyphos-artiges Breitstellen von kindgerechtem Essen, sauberen Klamotten und Vermittlung von simplen Kulturtechniken wie Gebrauch von Löffel und Gabel. Und sich trotz aller Erschöpfung über die Kleinen und ihre Fortschritte zu freuen wie Bolle.

Ist die Östrogenvergiftung erst einmal vorbei, starten viele Frauen nochmal richtig durch und sagen: jetzt bin ich dran, die Kinder sind groß, jetzt widme ich mich der Kunst, meinem Garten, der Lokalpolitik, der lange geplanten Weiterbildung…. Zutreffendes bitte Ankreuzen! Ich spreche dann immer von der gesunden postmenopausale Unruhe. Wer von uns klug mit Ihren Ressourcen umgeht, der können tolle Jahre ins Haus stehen. Siehe Blogbeitrag zu den „Balkonblumen“.

 

"Frau Doktor, es geht mir altersbereinigt gut!"

Mädchen vor der Pubertät sind nicht verkehrt oder komisch. Genau so wenig, wie die hoffentlich fröhliche Frau, die ihr Alter genießen kann. Komisch findet es nur mancher Angehöriger, wenn Frauen nicht mehr ganz so klaglos im Allltag "funktionieren" wollen. Kurz nach der ersten Patientin vom Anfang des Artikels kam nicht ganz so flott eine rüstige Lady Ende siebzig, auch zum TÜV und auf die Frage, wie es geht, strahlte sie mich an: „Altersbereinigt gut, Frau Doktor! Ich könnt jetzt jammern, das ich nicht mehr so schnell und fit bin wie mit 40, die Gelenke oft Schmerzen und einige andere Dinge, aber ich möchte das nicht. Es geht mir eigentlich recht gut.“ Beim TÜV habe ich auch nichts Auffälliges gefunden und hoffe, die Dame im nächsten Jahr genauso gut davor zu sehen.

Nun, nicht alle Frauen haben die Gnade, relativ gesund alt zu werden, aber ich erlebe sehr, sehr häufig Frauen, die nach einer ruckeligen und körperlich wie seelisch anstrengenden Zeit dann nach dem Wechsel in ein ruhiges Fahrwasser kommen. Natürlich gibt es da immer mal wieder Einschränkungen, die das Alter so mit sich bringt, und bestimmten Themen, wie trockene Genitalhaut und der weicher werdende Beckenboden, und das ist tatsächlich eine Folge eines niedrigen Östrogenspiegels, kommen in den Vordergrund. Aber insgesamt sollte Frauen viel häufiger gesagt werden, dass sie sich auf die Zeit nach dem Wechsel so richtig freuen können. So, wie es mir vor einigen Jahren auf einem medizinischen Kongress eine hochgeschätzte Kollegin sagte, die mir mit strahlendem, von der Pflege des eigenen Heilpflanzengartens wettergegerbtem Gesicht, entgegenlachte: „Frau Kollegin, freuen Sie sich auf das Älterwerden. das ist klasse und einige Dinge können Ihnen irgendwann so herrlich egal sein!“ – Danke Dr. Anita Kracke und auch Heide Fischer für die Inspiration! Ich wünsche allen Frauen vor dem Wechsel solche Vorbilder.

Zu den Beschwerden, die im Wechsel auftreten können gibt es einen Online-Kurs, in dem ich im Detail erkläre, wie Symptome zustande kommen und vor allem, was Frauen selber mit Hilfe von Heilpflanzen tun können um Probleme in den Griff zu bekommen. Nutzen Sie mein Wissen aus über 25 Jahren Erfahrung in der Gynäkologie und Naturheilkunde.   Mehr Informationen zum Kurs "Wechseljahre leichter durchleben" finden sie HIER.

 

Wir wünschen Ihnen einen gesunden Tag

Ihre Dr. Dorothee Struck

 

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