Was ist besser? Kupferkette, Ball… oder doch etwas anderes?

von christin (Kommentare: 0)

Will der Körper vielleicht etwas sagen, wenn es heißt, das geht (noch) nicht?

Wir, mittlerweile drei Ärztinnen in der Praxis, haben einen guten Ruf was hormonfreie Verhütung betrifft. Das bedeutet aber, dass mittlerweile viele junge Damen zu uns kommen, denen in anderen Praxen gesagt wurde, eine Spirale, eine Kette oder Ähnliches, käme für sie nicht infrage. Der Ball, der seit nunmehr 18 Monaten in Deutschland erhältlich ist, ist noch nicht in alle Praxen hineingerollt. Der Kupferball gilt als eine Alternative zur Spirale oder Kupferkette, für junge Frauen die nicht geboren haben. Aber was ist denn nun wirklich dran und ist er wirklich so gut? Für wen ist der Kupferball wirklich geeignet?

Erfahrungen nach 18 Monaten

Wir legen seit anderthalb Jahren die Bälle, sicher als eine der ersten Praxen in Deutschland. Am Anfang waren meine Kollegin Stefanie und ich sehr begeistert wie die Applikation in der Hand liegt und wie einfach die Bälle zu legen sind - was für ein Unterschied zur Kette! Wie oft habe ich über den relativ steifen Applikator für Gynefix geflucht. Ist die Kette aber erst einmal in der Gebärmutter und gut verankert, gibt es im Nachgang erstaunlich wenig Probleme für die Frauen. Ja, das Einsetzen ist schmerzhaft aber sobald die Instrumente aus der Gebärmutter entfernt sind, lässt der Schmerz schnell nach. Die Patientinnen berichten, dass sie den Rest des Tages Beschwerden haben, wie leichte Regel-Schmerzen. Mehr aber auch nicht! Manche sagen sogar, es war nix mehr, sobald sie aus der Praxis raus waren.

Mit den Bällen, ist das anders: einige Frauen haben überhaupt keine Beschwerden im Nachgang, andere haben extreme Schmerzen die teilweise bis zu fünf Tage anhalten. Im Gegensatz zur Spirale und der Kette ist der Intrauterine Ball dreidimensional. Er spannt sich in alle Richtungen in der Gebärmutter auf, sobald er aus dem Applikator freigesetzt wurde. Kein Problem für junge Mütter, die nach einer oder mehreren Geburten und guter Rückbildung eine kleine Gebärmutter haben. Der Ball spannt sich auf, aber die Patientin sagt, sie merkt nichts. Nun, wenn ein ganzes Kind bereits die Gebärmutter gedehnt hatte, toleriert diese das dreidimensionale Gebilde gut. Die heftigsten Beschwerden bei der Einlage des Balles und danach hatten bei uns immer Frauen mit einer sehr kleinen Gebärmutter, die vorweg lange die Pille genommen haben. In zwei Fällen waren die Schmerzen danach so stark, dass wir den Ball am gleichen Tag wieder entfernen mussten. Das haben wir in all den Jahren bei Spiralen und Ketten niemals erlebt.

Einer für alle, alle für einen? Das ist nur bei den Musketieren richtig!

Der Ball ist gedacht für Frauen deren Gebärmutter zu klein für eine normale Spirale ist, d.h. die Breite der Gebärmutter oben ist unter 2,2 cm, was der kleinsten Spirale entspricht. Ich würde dann immer eine Kupferkette empfehlen, wenn nicht die obere Gebärmutterwand (Fundus) zu dünn ist, um eine Kette einsetzen zu können. Ist der Fundus (Gebärmutterdach) dünner als 1 cm, ist das Risiko, die Gebärmutterwand zu durchstoßen, zu hoch. In Israel, wo der Ball entwickelt wurde, gibt es drei Größen: 12, 15 und 18 mm. Bei uns ist der Ball nur mit 15 mm Durchmesser erhältlich. Wir haben aber Patientinnen gesehen, deren Gebärmutter oben gerade mal 12, 13 oder 14 mm breit war und einen Fundus schmaler als 7 mm hatte. Dies sind die Damen mit den meisten Problemen nach der Einlage, bei denen aber auch so gar kein anderes Modell der intrauterinen Verhütung geht.

Rollen sie weg?

Rausgefallen ist erst einer der Bälle, die wir gelegt haben, wenige sind verrutscht und mussten ausgetauscht werden. Wir haben auch noch keine Schwangerschaft mit einem liegenden Ball erlebt. Das was das Teil tun soll, leistet es, es verhütet! Aber für einige Frauen mit einem relativ hohen Preis in Form von Schmerzen am Anfang. Langfristig sind fast alle Frauen sehr zufrieden, aber der Anfang kann holprig sein1. Bei Frauen mit einer sehr kleinen Gebärmutter sind wir dazu übergegangen, andere Verhütungsmethoden wie ein Diaphragma zu empfehlen. Das trifft nicht immer auf Gegenliebe!

Meine Kollegin Stephanie und ich stellen immer wieder fest, dass gerade die Frauen, deren Körper eigentlich nicht wirklich geeignet sind, am dringendsten eine intrauterine Vergütung möchten. Eine sehr, sehr kleine Gebärmutter, die oft dem Anfang der Pubertät entspricht, ein Zeitpunkt zu dem die Damen mit der Pille begonnen haben, noch eine halbe Kinder-Gebärmutter. Fragen wir nach, gab es die Pille damals häufig gar nicht so sehr zur Verhütung, sondern um die Menstruation zu regeln, Schmerzen und Unregelmäßigkeiten zu beseitigen. Diese jungen Damen sind oft gar keinen natürlichen Zyklus mehr gewöhnt und möchten sich in den meisten Fällen am liebsten gar nicht mit ihrem Körper beschäftigen. Sie wollen eine sehr sichere Verhütung, abgekoppelt von ihrer Sexualität über die sie sich keine Gedanken machen müssen. Hormone bitte bloß nicht, aber meinen Körper kennenlernen und aktiv die Verhütung in die eigene Hand nehmen bitte auch nicht.

Horrormärchen aus dem Internet

Ich bin mehrfach von jungen Damen gefragt worden, ob der Ball nicht wie ein Käseschneider die Gebärmutterwand durchtrennt, das hätte sie im Internet gelesen. Die Technologie des Balles ist entwickelt worden auf dem Boden der Stents, Formgedächtnismetall, das die Herzkranzgefäße offenhält. Das Material ist auch das gleiche (Abgesehen von den Kupferkügelchen, denn das Kupfer tötet die Spermien, aber die sind glatt und rund, die schneiden nirgendwo rein). Die innere Wand der Blutgefäße ist extrem sensibel, wird sie verletzt entstehen Thrombosen oder Gefäßverengung; d.h. eine Technologie, die darauf ausgerichtet ist, Blutgefäße auf zu spannen und Herzinfarkte zu verhindern, schneidet nicht in Gewebe ein. Die Schmerzen sind aber nur das Gefühl der Dehnung der Gebärmutterwand. Und wenn die Gebärmutter sehr klein ist, was wir des Öfteren beobachtet haben, wenn junge Frauen berichten, sie hätten bereits mit 13 oder 14 Jahren die Pille bekommen, dann ist es kein Wunder, wenn dreidimensionales Aufspannen, auch wenn es nur 15 mm sind, zu Schmerzen führt, bis der Körper sich dran gewöhnt hat. Übrigens, ich sage lieber „zierliche“ statt „kleine“ Gebärmutter, denn ein kleiner Uterus in der Jugend bedeutet nicht, dass eine Frau später keine Kinder bekommen kann. Die Gebärmutter wächst ohnehin erst mit der ersten Schwangerschaft in ihre eigentliche Größe. Und wenn die Pille sehr früh begonnen wurde, holt die Gebärmutter das, was in der Pubertät fehlte, meist innerhalb eines Jahres mit einem eigenen Zyklus auf.

Auch zur Kette gibt es natürlich Horrormärchen: sie würde festgenäht und das Rausziehen sei so traumatisch für die Gebärmutter, dass danach Schwangerschaften gefährlich werden würden. Hmmm, im Vergleich zu Kaiserschnitten ist der Piks winzig, nach Entfernen der Kette bleibt kein Material im Körper zurück. Wenn ich an die zweischichtigen Nähte der Gebärmutter bei einem Kaiserschnitt in den Neunzigern zurückdenke, was haben wir da für Massen von Nahtmaterial und Knoten in der Frau hinterlassen… die oft zwei Jahre später das nächste Kind völlig unkompliziert bekam. Einer meiner letzten Kaiserschnitte als Oberärztin war der vierte in Folge für diese Patientin und ihr viertes gesundes Kind auf diesem Wege, dagegen ist die Kette ein echter Witz. Also, meine Damen, lassen Sie sich nicht von Dr. Google ins Bockshorn jagen! Dennoch gibt es Situationen, in denen wir sagen müssen: „Kette oder Ball sind aktuell nicht für Sie geeignet! Und eine Spirale kommt erst recht nicht in Frage“

Ein Plädoyer für ein Kennenlernen des eigenen Körpers

Ist es wirklich gut, wenn ich meinem Körper eine Verhütungsmethode aufzwingen will, für die dieser noch gar nicht bereit ist? Nach einigen Monaten ohne Pille haben viele Frauen eine größere Gebärmutter, dann kann ja noch einmal überlegt werden. Aber dann gibt es eine Zeit zu überbrücken mit anderen Verhütungsmethoden. Ist das furchtbar oder eine Chance sich mit meinem weiblichen Körper auseinanderzusetzen? Ein Diaphragma einzusetzen ist einfach zu lernen und fordert mich heraus mich zu berühren, mich kennen zu lernen meine inneren Räume zu erspüren und nicht nur außen die Schamhaare zu epilieren. In einem Gespräch mit zwei sehr engagierten Lehrerinnen erzählten diese mir wie viele ihrer Schülerinnen im Bio-Unterricht eine starke Abneigung haben, sich mit Körperlichkeit die über das Äußere hinausgeht zu beschäftigen: Menstruation, Muttermundschleim… Bäh, Igitt, Pfui! Die Pille wird mittlerweile auch beworben für einfaches „Menstruationsmanagement“. Ich finde dieses Wort „Menstruationsmanagement“ gruselig! Der Ausdruck weiblicher Gesundheit soll weg gemanagt werden. Möglichst wenig Blut und nur dann, wenn Frau gerade mal dafür Zeit hat. Wir zahlen später einen Preis dafür, dass wir das Gespür für unseren Körper hinfort managen. Wie sollen wir lernen, wie wir gut unserem Körper vertrauen können, dass er eine Schwangerschaft und eine Geburt leisten kann. Wie können wir erspüren, dass Abläufe in unserem Körper ganz natürlich sind, wenn wir versuchen alles was mit Fruchtbarkeit und lebendiger manchmal chaotischer Weiblichkeit zu tun hat, zu eliminieren?

Daher, auch wenn ich gerne Spiralen, Ketten oder Bälle lege, möchte ich eine Bresche für das Diaphragma schlagen. Denn es ist, richtig angewendet und bei jedem Verkehr verwendet oder in Kombination mit natürlicher Familienplanung an den fruchtbaren Tagen, eine sehr sichere Verhütungsmethode. In diesem Herbst haben wir neue Filme gedreht für den Online-Kurs zum Diaphragma, es wird auch  im neuen Jahr wieder ein Live Coaching geben, denn nicht alle Frauen können zu unseren beiden wunderbaren Hebammen kommen und ein Einzeltraining genießen. Es ist so spannend zu sehen wie gerade Frauen, die vorher zweifelnd waren, begeistert sind, nachdem sie viel über das Diaphragma gelernt haben. Der Tenor ist immer wieder: „Ich hätte nicht gedacht, dass das so einfach ist!“ Genau diesen Satz habe ich auch gerade in einem älteren Buch über Verhütungsmethoden gelesen: wenn die Frauen genau wissen, wie sie es anzuwenden haben, ist es eine langfristig sichere und unkomplizierte Methode, dann Kinder zu bekommen, wenn sie in unser Leben passen.

Es lohnt sich auf unsere Körper zu hören, denn sie sind so weise!

 

Ein Webinar zur Verhütung mit Diaphragma und NFP, einer wunderbaren Kombination gab es zum Nikolaus, der Mitschnitt steht zum Nachsitzen zur Verfügung: Hier können Sie sich anmelden oder einfach auf das Bild klicken


Wir wünschen Ihnen eine schöne Adventszeit und nur nette Dinge in den Schuhen!

Ihre

Dr. Dorothee Struck

 

1 Welche Mittel naturheilkundlich nach einer Spiralen-Einlage gut geeignet sind, um Schmerzen und andere Beschwerden zu lindern, finden Sie in meinem Verhütungsbuch: Verhüten ohne Hormone, Alternativen zu Pille & Co

 

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Falls in diesem Blogbeitrag Präparate- und Produktnamen genannt sind; dabei wurden Warennamen nicht besonders kenntlich gemacht. Aus dem Fehlen eines solchen Hinweises (Warennamen) kann also nicht geschlossen werden, dass es sich um einen freien Warennamen handelt. Die genannten Produkte stammen aus der Erfahrung in meiner Praxis und ich beziehe kein Geld von den betreffenden Pharmafirmen für die Nennung. 

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