Vitalzeichenkontrolle

von docdodo (Kommentare: 0)

Gut, wenn die wichtigen Dinge im Leben funktionieren!

 

Bei Recherchen im Internet bin ich über eine spannende Seite gestolpert von zwei jungen Amerikanerinnen, einer Krankenschwester und einer Doula die Ihr Land bereisen um Informationen über den weiblichen Körper, Zykluswissen, Menstruationshygiene an die Menschen zu bringen. Das Projekt heißt das Fünfte Vitalzeichen, „the 5th vital sign“ und allein der Name ist für mich wunderbar.

 

Die klassischen Vier

Die Vitalzeichen, die klassischen, lernt jeder Mensch in einer medizinischen Ausbildung recht früh am Anfang: Betrete ich das Zimmer eines Patienten spreche ich ihn oder sie an, ist sie bei Bewusstsein, antwortet sie adäquat? „Moin, Frau Müller… Frau Müller?“ Ach, ja bei Frau Müller muss ich lauter sprechen, sie spart ja immer Batterien im Hörgerät, aber dann schallt mir ein fröhliches „Moin, Moin“, entgegen unmittelbar gefolgt vom „aber ich war heute noch nicht richtig auf Toilette!“ Nein, das pünktliche, morgendliche Abführen gehört nicht zu den primären Vitalzeichen, auch wenn der Mensch sich danach meistens besser fühlt und das Thema auf einer Station im Krankenhaus sehr präsent ist. Der Kreislauf ist als nächstes dran, Puls fühlen, Blutdruck messen, alles im Normbereich? Atmung beobachten, nun, wer keine Luft bekommt, ist nicht mehr lange am Leben, klar, dass das zu den 4 primären Vitalzeichen gehört, ebenso wie die Körpertemperatur. Patientin hat hohes Fieber, richtig hoch, über 40°C, nicht gut, aber auch ein Mensch mit Unterkühlung läuft Gefahr zu sterben. Also klar, was die Krankenschwester, Hebamme oder Ärztin wissen will.

Im Krankenhaus wird dann eher selten gefragt, wie der Menstruationszyklus so sei. Obwohl ich vor Jahren einen alten Chef hatte, der regelmäßig Wutanfälle bekam, konnte eine Assistenzärztin bei einer neu aufgenommenen Patientin nicht sofort sagen, wann der erste Tag der letzten Regel war. Am Ende des Zyklus ist die Gebärmutter stärker durchblutet, mit den heutigen guten Ultraschallgeräten sieht man die dicken Venen neben der Gebärmutter, gerade bei Frauen, die schon das eine oder andere Kind geboren haben. Und Chef bestand darauf, bestimmte Operationen immer kurz nach der Mens durchzuführen, da die Nachblutungsgefahr geringer sei. Ich habe dazu nie wissenschaftliche Daten gefunden, aber ich frage mich, ob das je jemand beforscht hat. Sinn macht es für mich schon, große Myom-Entfernungen zum Beispiel, in eine Zyklusphase geringerer Durchblutung zu legen. Damals in den 90ern hatten wir auch keine Medikamente, um die Myome vorweg aus- und einzutrocknen, da war es noch wichtiger den Rhythmen des Körpers zu folgen. Und Krankenhäuser waren auch im Allgemeinen keine großen Ketten, die auf Gewinnerzielung ausgerichtet waren und darauf, dass der OP-Plan möglichst jeden Tag rappelvoll ist.

 

Wie der Zyklus verläuft sagt einiges aus über die Gesundheit einer Frau

Wobei, den total „normalen“ 28-Tage-Zyklus haben gar nicht so viele Frauen, wie Untersuchungen der Sektion Natürliche Fertilität zeigen. Alles zwischen 21 und 35 Tagen ist normal, idealerweise in sich regelmäßig. Das heißt, es gibt Frauen, die sind immer und mit allen Stoffwechselvorgängen, Hormonen und Rhythmen schnell, haben immer einen 23 bis 25-Tage-Zyklus. Von der Chinesischen Medizin her würde ich vermuten, dass das Holzelement eine starke Rolle spielt. Und dann gibt es die, die eher einen gemächlichen Rhythmus haben, bei denen die Mens eher nachgeht und die mit 33 bis 35 Tagen dabei sind. Auch das kann völlig normal sein, mir aber einen Hinweis auf Heilpflanzen und homöopathische Mittel geben, die eventuell im Krankheitsfall gebraucht werden. Auch die Menge der Blutung, die Farbe und Konsistenz ist ein Hinweis auf gute Gesundheit oder eben eine Störung derselben. Von daher finde ich die Idee, den Zyklus als fünftes Vitalzeichen der Frau zu nehmen, dass mir entweder gut funktionierende Gesundheit anzeigt oder auch Störungen im System, sehr sinnvoll.

 

Politisch korrekt kann ich nicht gut!

Dann hatte ich ein weiteres, ebenfalls englischsprachiges Buch vor der Nase, das meine Bibliothek über Frauengesundheit ergänzen sollte und kam schon auf den ersten zehn Seiten aus dem Ärger nicht heraus. Die Autorin beschrieb die Kraft der verschiedenen Zyklusphasen und wie diese für den optimalen Erfolg im Büro genutzt werden könnten, im medikamentösen und nicht-medikamentierten Zyklus. Gruselig! Ja, wenn einige Teile der weiblichen Bevölkerung angesehen werden, nehmen tatsächlich über die Hälfte der jungen Frauen die Pille ein und haben einen medikamentösen Zyklus und im Rahmen der politischen Korrektheit wird dieser, da mengenmäßig überlegen, zuerst genannt… und der natürliche Zyklus in zweiter Reihe als der „nicht-medikamentierte“ Zyklus. Diese Bezeichnungen waren aber durchaus ernst gemeint und die Autorin beschrieb ohne weitere Reflektion das „Zyklusgeschehen“. Argggh!

 

Also: unter einer Pille hat frau einen Scheinzyklus, keinen echten!

Und der ist auch nur da, weil die Erfinder der Pillen gedacht haben, Frauen könnten vom Kopf her nicht auf eine Monatsblutung verzichten. Aber unter einer Kombinationspille kommt das Zyklusgeschehen völlig zum Erliegen und wird durch eine Entzugsblutung vorgespielt. Und ein Leben, ein medizinisches, in dem der nicht-medikamentierte Zyklus die Norm ist? Nein, da schüttelt es mich! Nur Patientinnen sehen und behandeln, die Roboter-artige, standardisierte 28-Tage Zyklen made by Design haben? So nützlich Pillen als Medikament sein können, um starke Beschwerden in den Griff zu bekommen, so dämlich finde ich es, sie als Standard für den weiblichen Zyklus anzusehen. Da fehlt etwas, etwas Lebendiges, Variables; genauso variabel in einem bestimmten Rahmen, wie Puls, Blutdruck und Atemfrequenz sich den Gegebenheiten im Körper anpassen oder mich warnen, wenn der Körper massiv unter Stress steht.

 

Was, wenn ich meine Vitalzeichen gar nicht mehr kenne?

Meine Kolleginnen und ich erleben immer wieder, dass Frauen nach 10 oder sogar 15 Jahren die Pille absetzen und knappe 14 Tage später in der Praxis aufschlagen. Aua, Aua! So komisches Ziehen rechts oder links im Unterbauch: Herzlichen Glückwunsch, ihr erster Eisprung seit Jahren! Erstaunen weicht der Angst in den geweiteten Augen, so manche dachte, sie muss wegen der Bauchschmerzen jetzt tot von der Welt. Oder der Ausfluss, reichlich und feucht: Brennt er? Nööö, Juckt der Ausfluss? Auch nicht! Riecht es fischig, faulig, eitrig? Nein, auch nicht, ist nur viel, wie Eiweiß: Herzlichen Glückwunsch nochmal zum ersten Eissprung!

Ich bin oft richtig erstaunt, wie wenig viele Frauen über ihren Körper wissen, gerade wenn sie jahrelang die natürlichen Abläufe zu gedeckelt hatten. Glücklicherweise zieht die Zyklusshow mittlerweile auch bei uns in die Schulen ein, das einen wertschätzenden Blick auf das Wunder unserer zyklischen Abläufe legt und Mädchen zeigt: „Was in meinem Körper vorgeht ist der reinste Luxus!“ Dieses Projekt bereitet guten Boden, auf dem dann später die eigenen Kinder wachsen dürfen.

 

Englisch habe ich begonnen, so höre ich auch auf.

Der Begriff the 5th Vital sign hat mich begeistert, der „non-medicated-cycle“ erschreckt und gelacht habe ich über das AMA = Ask me anything, ein Webinar, das eine englische Kollegin regelmäßig zum Thema Zyklus und Menstruation hält. Das will ich auch, aber dann auf Deutsch am 19.02.2018 um 20:15 Uhr und hier können Sie sich anmelden. Sie hören bestimmt Dinge, von denen Ihr Biologie-Lehrer noch nie etwas wusste.

 

Zu guter Letzt noch einmal die Basics: was ist ein normaler Zyklus, wie sollte das fünfte Zeichen sein?

  • Zyklusdauer = die Dauer vom ersten Tag der richtig regelstarken Blutung (Vorkleckern zählt nicht!) bis zum nächsten ersten Tag: 21 bis 35 Tage, idealerweise in sich regelmäßig

  • Länge der Blutung: vier bis sieben Tage

  • Stärke der Blutung: an starken Tagen maximal alle zwei Stunden Wechsel eines großen Tampons oder einer Maxi-Binde. Bei Menstassen hängt das natürlich an der Größe, wenn eine große Tasse wie die große Ruby cup oder Lily B keine 2 Stunden hält, bis sie überläuft ist definitiv etwas falsch, normalerweise fassen Tassen 3-4-mal so viel wie ein Tampon

  • Keine Klumpen oder nur sehr kleine in der Blutung, (handtellergroße Flatschen, die aussehen wie rohe Leber, sind definitiv ein Zeichen, das etwas nicht stimmt)

  • Vorkleckern vor der eigentlichen Blutung: ein bis maximal zwei Tage

  • Ein leichtes Ziehen oder Druck im Unterbauch sind ok, teils auch schon am Tag vor der beginnenden Regel. Viele Frauen spüren, wenn sich die Schleimhaut lockert. Ruhe und Wärmflasche bessern dies meist ausreichend. Nicht OK ist es, wenn Frauen ohne Schmerzmittel nicht über die Runden kommen, von Ibuprofen & Konsorten leben, vor allem, wenn es mehrere Tage sind, an denen es ohne Schmerzmedikamente nicht geht. Zu pflanzlichen und homöopathischen Komplexmittel-Alternativen zu Ibu & Co habe ich vor einiger Zeit einen Kurs gehalten, wenn diese Alternativen auch nicht ausreichen, dann sollten Sie bei Ihrer Frauenärztin einen Termin vereinbaren.

 

Es lohnt sich auf unsere Körper zu hören, denn sie sind so weise!

Wir wünschen Ihnen gute Rhytmen, beste Vitalzeichen und einen guten Rest des Januars.

Ihre Dr. Dorothee Struck

 

 

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Disclaimer:

Die Beiträge dieses Blogs dienen der allgemeinen Information über gesundheitliche Themen. Sie können und sollen in keinem Falle die ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung ersetzen. Sie sollten daher die hier bereitgestellten Informationen niemals als alleinige Quelle für gesundheitsbezogene Entscheidungen verwenden und sie dürfen nicht als Grundlage zur eigenständigen Diagnose und Beginn, Änderung oder Beendigung einer Behandlung von Krankheiten verwendet werden. Zur eigenverantwortlichen Behandlung geringfügiger Gesundheitsstörungen finden  Sie hier Informationen zu Teemischungen und Produkten, die rezeptfrei in der Apotheke erhältlich sind. Es entbindet sich nicht von der Pflicht, die Beipackzettel zu studieren und ggf. Rat von Ihrer Ärztin oder Apothekerin einzuholen. Bei anhaltenden oder zunehmenden Beschwerden sollten Sie auf jeden Fall ärztlichen Rat einholen. Die Inhalte erheben weder einen Anspruch auf Vollständigkeit noch kann die Aktualität, Richtigkeit und Ausgewogenheit der dargebotenen Information garantiert werden.

Es sind eventuell in diesem Blogbeitrag Präparate- und Produktnamen genannt; dabei wurden Warennamen nicht besonders kenntlich gemacht. Aus dem Fehlen eines solchen Hinweises (Warennamen) kann also nicht geschlossen werden, dass es sich um einen freien Warennamen handelt. Die genannten Produkte stammen aus der Erfahrung in meiner Praxis und ich beziehe kein Geld von den betreffenden Pharmafirmen für die Nennung. 

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