Kieler Woche & Nachverhütung

von docdodo (Kommentare: 0)

Kondome sind sicher! Bei nüchternen Menschen mehr als nach dem fünften Bier...

Die Kieler Woche ist gestartet: der Konsum an Bier und Cocktails steigt und ich bin froh, schon lange keine Nachtdienste mehr in der Klinik zu schieben. Der Kondomgebrauch wird mit steigendem Alkoholpegel erfahrungsgemäß schwierig bis unmöglich und die Nachfrage nach Nachverhütung steigt während Bier-seeliger Volksfeste sehr an. Nicht mehr nächtlich aus dem Bett geklingelt werden, wegen eines Rezeptes für die Pille-danach, wie schön! Ich habe die Englischen Kolleginnen immer beneidet, denn bei ihnen werden die gleichen Präparate als „Morning-after-pill“ vermarktet. Dort haben sie keine angetrunkenen 16-jährigen, die nachts um drei Uhr fünfundzwanzig noch bettwarm in der Ambulanz etwas von „Kondomgerisssenbrauchedringendrezeptpilledanach“ nuscheln. Auf genaue Nachfrage gaben aber über die Hälfte rotohrig zu, gar kein Gummitütchen benutzt zu haben "warzubetrunken", ist dann die klassische Entschuldigung gewesen....

Aber Montagmorgen werden wir in der Praxis garantiert wieder einige junge Damen in der Telefon-Leitung haben: das ist in jeder Kieler Woche so. Wir werden sicher auch die eine oder andere Spirale-/Kette-/IUB-danach legen und erzählen, dass ein HIV-Test erst 6 Wochen später möglich ist, der Chlamyien-Schnelltest aber sofort. Die Pillen-danach sind heute rezeptfrei in den Apotheken erhältlich, wann es dennoch Sinn macht, erst in die Arztpraxis zu gehen, habe ich aus aktuellem Anlass nochmal zusammengetragen.  Und ja, der Name „Morning-After-Pill“ stimmt wirklich, die Sicherheit ist am nächsten Morgen noch gleich gut. Die Apothekerin freut sich auch, wenn sie im Bereitschaftsdiesnst mal kurz die Beine hochlegen darf und wenn Sie bis zum nächsten Morgen warten, brauchen Sie auch keinen Nacht-Zuschlag zahlen.

Ich selber bin ja ein wirklicher Fan der Spirale-/Kupferkette-/IUB-danach; ja es tut etwas mehr weh. Aber die meisten Damen sagen, das war schnell vorbei. Die Einlage ist am Ende der Mens, wenn der Muttermund noch etwas geöffnet ist, einfacher, als kurz nach dem Eisprung, wenn der Muttermund recht eng ist. Aber zum einen wirkt jede Pille-danach nur VOR dem Eisprung, da sie diesen zeitlich nachhinten verschiebt, zum anderen löst eine intrauterine Nachverhütung die Verhütungsfrage zuverlässig über einen längeren Zeitraum. Ob der Lover aus der Kieler Woche dann noch im gleichen Hafen ankert, ist eine andere Frage.

 

Die Pille danach: wann in die Apotheke und wann zur Ärztin?

Die Abgabe der Pille-danach, ist seit März 2015 in Deutschland rezeptfrei in den Apotheken möglich. Dieses gilt für beide Wirkstoffe: sowohl Levonorgestrel als auch Ullipristal. Eine ausführliche Beschreibung beider Wirkstoffe mit Vor- und Nachteilen finden Sie in meinem Buch "Verhüten ohne Hormone - Alternativen zu Pille & Co" im Kapitel 10 zur Nachverhütung bei Pannen. Dort findet sich auch eine ausführliche Beschreibung zur Anwendung der Spirale-danach. Ja, auch eine Kupfer-Kette-danach und IUB (intrauteriner Ball)-danach sind möglich, selbst wenn das in Deutschland noch eher selten angeboten wird.

Auch wenn die „Pille-danach“ jetzt rezeptfrei ist: unter bestimmten Umständen müssen die Apothekerinnen von vorherein an eine Ärztin oder Arzt verweisen, denn die Apotheker dürfen nicht an jede Frau die „Pille-danach“ abgeben. Es kann auch sinnvoll sein, sich ein Rezept von der Ärztin zu holen, denn unterhalb des 20. Lebensjahres wird die „Pille-danach“ ganz oder teilweise von den gesetzlichen und den meisten privaten Krankenkassen in Deutschland übernommen.

 

Die erste Anlaufstelle ist die Apotheke wenn

  • für eine Frau klar ist, dass eine Pille-danach benötigt wird und sie genau weiß, wann ihre letzte Regel war
  • sie älter als 20 Jahre ist
  • Eine Frau älter ist als 14 Jahre und in der Lage ist die Pille-danach (ca. 18,- bis 34,- €) selber zu zahlen? (Die Hälfte übernimmt ja eh der Mann, oder?)
  • Sie andere Medikamente zeitgleich einnimmt oder dauerhaft Medikamente nimmt – ja, hier gibt es kompetente Beratung
  • Sie nach der Geburt eines Kindes noch stillt und sich Fragen nach der Dauer der Stillpause stellt – ja, hier gibt es kompetente Beratung
  • Ansteckung mit Geschlechtskrankheit war bei dem ungeschütztem Verkehr möglich: Ja, erstmal wegen der Pille-danach zur Apotheke – dann aber ab zur Ärztin oder zum Gesundheitsamt[1]

 

Die erste Anlaufstelle ist die Arztpraxis wenn Sie

  • 14-19 Jahre alt und gerade pleite sind - Ja, denn das Rezept in der Apotheke nachreichen gilt nicht! Eine nachträgliche Kostenerstattung ist nicht vorgesehen – von 18 bis 19 zahlen Sie nur 5,- € Rezeptgebühr, davor wird die Pille danach von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen
  • jünger als 14 Jahre sind – hier dürfen die Apotheken keine Pille-danach abgeben, und die Apotheke darf einen Ausweis verlangen
  • Ungeschützten Geschlechtsverkehr vor mehr als 120 Stunden hatten – jetzt besteht erhöhter Beratungsbedarf ggf. auch zur Spirale danach 
  • Unklarheit über die letzte Regelblutung besteht: die Menstruation war schwächer und oder kürzer als sonst / das Datum ist nicht erinnerlich, oder es gibt andere Hinweise auf eine bereits bestehende Schwangerschaft… erstmal klären, ob der Zug für die Pille-danach schon längst abgefahren ist
  • Eine Spirale-/Kette-/Ball-danach wünschen – oder zumindest Beratung dazu. Denn dazu können Apotheken oft nicht beraten. Achtung, nicht alle Arztpraxen legen Spiralen-danach!
  • Mehrfach ungeschützter Verkehr in diesem Zyklus hatten – eventuell ist der Zug selbst für die Spirale danach abgefahren. Die Spirale danach ist nur bis 5 Tage nach dem ersten ungeschützten Verkehr im Zyklus möglich.
  • Wenn Sie schwere Grunderkrankungen z. B. der Leber oder des Darmes die eine Aufnahme der Pille-danach im Darm verhindern können, auch wenn Sie unter anhaltendes Erbrechen leiden, dann kann die Ärztin Medikamente verordnen z. B. gegen Erbrechen

 

Wir wünschen Ihnen nur Wunschkinder, propper und gesund!

Und zwar dann, wenn Sie sich dafür entschieden haben!

Ihre

Dr. med. Dorothee Struck & Team

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3-4 x im Jahr hält Frau Dr. Struck Webinare zum Thema Verhütung, die Termine werden über den Newsletter bekannt gegeben.

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Die Mitschnitte älterer Webinare zum Thema Verhütung können immer noch angesehen werden: hier ist der LINK Sie müssen etwas nach unten scrollen... 

 

 

[1] Tests auf Geschlechtskrankheiten sind auch anonym und kostenfrei im örtlichen Gesundheitsamt möglich, dort ist auch Beratung zur Postexpositionsprophylaxe (PEP) möglich  - Bei riskantem Verkehr / geplatztem Kondom mit HIV-positiver Person können ggf. Medikamente helfen, die Übertragung zu stoppen: Informationen bietet die AIDS-Hilfe im Internet. Achtung: hier muss schnell gehandelt werden, damit es wirkt, am besten innerhalb von 24 Stunden! www.aidshilfe.de

 

Kondome helfen nur, wenn sie benutzt werden!

Disclaimer:

Die Beiträge dieses Blogs dienen der allgemeinen Information über gesundheitliche Themen. Sie können und sollen in keinem Falle die ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung ersetzen. Sie sollten daher die hier bereitgestellten Informationen niemals als alleinige Quelle für gesundheitsbezogene Entscheidungen verwenden und sie dürfen nicht als Grundlage zur eigenständigen Diagnose und Beginn, Änderung oder Beendigung einer Behandlung von Krankheiten verwendet werden. Zur eigenverantwortlichen Behandlung geringfügiger Gesundheitsstörungen finden  Sie hier Informationen zu Teemischungen und Produkten, die rezeptfrei in der Apotheke erhältlich sind. Es entbindet sich nicht von der Pflicht, die Beipackzettel zu studieren und ggf. Rat von Ihrer Ärztin oder Apothekerin einzuholen. Bei anhaltenden oder zunehmenden Beschwerden sollten Sie auf jeden Fall ärztlichen Rat einholen. Die Inhalte erheben weder einen Anspruch auf Vollständigkeit noch kann die Aktualität, Richtigkeit und Ausgewogenheit der dargebotenen Information garantiert werden.

Es sind in diesem Blogbeitrag Präparate- und Produktnamen genannt; dabei wurden Warennamen nicht besonders kenntlich gemacht. Aus dem Fehlen eines solchen Hinweises (Warennamen) kann also nicht geschlossen werden, dass es sich um einen freien Warennamen handelt. Die genannten Produkte stammen aus der Erfahrung in meiner Praxis und ich beziehe kein Geld von den betreffenden Pharmafirmen für die Nennung. 

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